995: WEBER, B. A.,

Kriegslied. Einblattdruck (Kupferstich mit Text und Musiknotation). Berlin, Werckmeister, o. J. und Plattennummer (1806). 25 x 31,3 cm. Lose, ohne Einband. (78)
Schätzpreis: 300,- €
regular tax scheme 19% VAT
Ergebnis: 150,- €


Das anläßlich der Aufführung von Schillers Drama "Wallensteins Lager" am Berliner Nationaltheater komponierte fünfstrophige "Kriegslied" des Berliner Kapellmeisters Bernhard Anselm Weber (1764-1821) ist ein Dokument des in Zeiten der Bedrohung durch Napoleon aufflammenden preußischen Patriotismus. Die Inszenierung von Geschichtsdramen, mit denen sich das Publikum identifizierte, wurde seinerzeit gewöhnlich zum Anlaß genommen, die eigene Kriegsbegeisterung und Vaterlandsliebe überschwenglich zu zelebrieren; diese patriotischen Akte ließen das Schauspiel selbst oft genug in den Hintergrund treten. Um derartige Ereignisse musikalisch zu untermalen und weiter zu befeuern, wurden pathetische Gesänge und Hymnen komponiert. Die Zeitungen berichteten darüber ausführlich. Auch über das Absingen des "Kriegslieds" über einen neuen, erst in dieser Zeit entstandenen Text ("Die Trommel ruft! Die Fahne weht! Es gilt fürs Vaterland!") am Ende der Aufführung von Wallensteins Lager am 19. September 1806 berichtet die "Allgemeine musikalische Zeitung" (8. Oktober 1806, S. 32): "… allgemein entzückte das neue Kriegslied: Die Trommel ruft, die Fahne weht … das Hr. Eunike (ein Holkischer reitender Jäger) zweymal mit dem lautesten Beyfall (besonders bey der Stelle: Dein Rächer ist erwacht!) sang." Siehe dazu ausführlich: Katherine Hambridge, Staging Singing in the Theater of War (Berlin 1805), in: Journal of the American Musicological Society, Bd. 68, Nr. 1, 2015, S. 39-98, hier S. 72-81. – Ein Exemplar in der Musikabteilung der Berliner Staatsbibliothek (Signatur: Erk 84) nachweisbar. – Nicht im RISM verzeichnet. – Untere Ecke mit alter Numerierung, oberer Rand mit kleinem Einriß, Ränder etw. gebräunt.