93: ALBUM AMICORUM – STAMMBUCH eines Mitgliedes der Familie Esper aus Franken.

Mit ca. 140 Einträgen, unter anderem aus Altdorf, Bayreuth, Erlangen, Ipsheim, Kulmbach, Münchberg, Neustadt an der Aisch und Windsheim. Dat. 1730-41. Qu.-8º. 107 nn. Bl. (und viele weiße). – Schwarzes Maroquin d. Zt. mit reicher Vg. (Rücken brüchig und alt mit Leim restauriert, etw. beschabt und bestoßen) in Pp.-Schuber d. Zt. (stark beschabt und bestoßen). (119)
Schätzpreis: 800,- €
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Fränkisches Gelehrtenstammbuch mit vielen Adelseinträgen aus Bayreuth. – Hinsichtlich der großen Fülle der Einträge bekannter Persönlichkeiten ein außergewöhnliches fränkisches Gelehrtenstammbuch aus dem vierten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts. Die Einträger sind zahlreiche Mitglieder des Bayreuther Adels und hohe Beamte des markgräflichen Hofs, Professoren der Altdorfer Universität und eine Vielzahl lutherischer Theologen und Pastoren, insbesondere einige Pietisten. Der gelehrte und offenbar allseits hoch geschätzte Besitzer wird in einigen Einträgen mit seinem Nachnamen "Esper" angesprochen. Bei ihm könnte es sich um Friedrich Lorenz Esper (1702-1765) handeln, einen Kulmbacher Superintendenten, der sich auch als Naturforscher einen Namen gemacht hat; sein Sohn war der bedeutende deutsche Entomologe, Botaniker, Pathologe und Mineraloge Eugen Johann Christoph Esper. Aus der Familie Esper haben sich gegen Ende einige weitere Mitglieder eingetragen. – Unter den Einträgern seien hier hervorgehoben:

Die Altdorfer Theologen Johann Balthasar Bernhold (1687-1769), Jakob Wilhelm Feuerlein (1689-1766) und Johann Friedrich Wachsmann (geboren 1710), der Philologe Christian Gottlieb Schwartz (1675-1751), der Mediziner Christian Ludwig Göckel (1662-1736) sowie der Altdorfer Advokat und Jurist Carl Moritz Hoffmann, Sohn des berühmten Medizinprofessors Johann Moritz Hoffmann; weiterhin der Altdorfer "Alumnen-Inspektor", Ökonom und Philosoph Johann Wilhelm Golling (geboren 1706), Verfasser zahlreicher Schriften (vergl. Baader, Lexikon verstorbener Baierischer Schriftsteller, Bd. II/1, S. 64-65). – Unter den Einträgen von Bayreuther Persönlichkeiten verdienen besondere Erwähnung der evangelisch-lutherische Theologe und Pädagoge Johann Adam Flessa (1694-1775), sodann die Mitglieder des Adels am und um den Bayreuther Hof, darunter Mitglieder der Familien der Freiherren von Lindenfels und Reitzenstein, die Grafen von Hagen, Rothenhan und Schönburg, die Gräfinnen Christiane und Sophia Maria von Hohenfeldt sowie der Graf Carl Christian von Hohenfeldt, die Bayreuther markgräflichen Konsistorialräte Friedrich Caspar Hagen und Georg Wilhelm Lockel, der bedeutende Kameralist Johann Wilhelm von der Lith (1709-1775), der fürstlich-brandenburgischer geheimer Hof- und Regierungs- und Konsistorialrat war, der Generalsuperintendent und Schriftsteller Germann August Ellrod (1709-1760) und der Bayreuther Konsistorialrat und Superintendent in Münchberg, Johann Adam Roth (1681-1758). Johann Christoph Sichmüller (1694-1771), Hofprediger und Superintendent in Bayreuth und Kulmbach, ein bedeutender fränkischer Pietist dieser Zeit, hat ein Gedicht über den Pietismus in zehn Versen beigetragen, endend mit der Zeile "und alle Schwärmerey muß Pietismus heißen", datiert Bayreuth, 29. 6. 1735. Von den Pietisten sei weiterhin der Theologe Johann Christian Lerche (1691-1768) genannt, Superintendent in Neustadt. Ebenfalls aus Neustadt stammt der Archidiakon Johann Laurentius Weidner (1668-1744). Unter den teils recht bedeutenden Beamten der Markgrafschaft Bayreuth und anderer Gebiete finden sich der "Kammer-Sekretär" Johann Joachim Bayer aus Münchberg, der Ratsherr, Kaiserliche Rat und Hauptmann des Ritterkantons Altmühl, Johann Albrecht Andreas Adam Rieter von Kornburg (1677-1753), und der Windsheimer Bürgermeister Franz Jacob Merklein (1670-1742). Aus Windsheim stammen auch der Pastor und Dekan Johann Georg Neuber (gestorben 1731) und der dortige Stadtpfarrer Wolfgang Ludwig Rei(t)z, Vater des Philologen Friedrich Wolfgang Reiz. Unter den Beiträgern aus Kulmbach sei der dortige Rektor Johann Sebastian Arzberger (1689-1763) genannt, aus Thurnau der Oberpfarrer Johann David Kolbe (1700-1779), aus Ipsheim der Pfarrer Johann Christoph Keppel (1671-1735) und aus Illschwang der Pfarrer Andreas Seidel. Viele weitere Persönlichkeiten sind zwar bekannt und ermittelbar, doch muß an dieser Stelle ein allgemeiner Hinweis auf sie genügen.

Am Anfang zwei Einträge späterer Besitzer, der ältere, mehrere Textseiten umfassende, aus dem Jahr 1780, der jüngere aus dem Jahr 1967. – Vorsätze mit Besitzerstempeln des 20. Jhdts.; gering gebräunt und fleckig, leichte Gebrauchsspuren.

Album amicorum of a member of the Esper family of Franconia. With ca. 140 entries, a. o. from Altdorf, Bayreuth, Erlangen, Ipsheim, Kulmbach, Münchberg, Neustadt an der Aisch and Windsheim. Dated 1730-41. 8º. 107 unnumbered leaves (and many blank ones). – Contemporary black morocco richly gilt (spine cracked and restored with glue in former times, a little scratched and scuffed) in contemporary cardboard slipcase (heavily scratched and scuffed). – With regard to the vast range of entries of famous personalities, it is an exceptional album of academics of Franconia from the fourth decade of the 18th century. The contributors are numerous members of the Bayreuth aristocracy and high officials of the margravial court, professors of the Altdorf university and a large number of Lutheran theologians and pastors, in particular some Pietists. The erudite and obviously highly esteemed owner is addressed in some entries with his surname "Esper". It might be Friedrich Lorenz Esper (1702-1765), a Kulmbach superintendent who also achieved a good reputation as natural scientist; his son was the famous German entomologist, botanist, pathologist and mineralogist Eugen Johann Christoph Esper. Further members of the Esper family have made their entries towards the end. – Endpapers with ownership stamps of the 20th century; minimally browned and soiled, slight signs of wear.