91: WEIL – TEILNACHLASS

des Arztes Ludwig Weil (1874-1961) mit über 100 hs. Briefen von verschiedenen Absendern, ferner Typoskripten, kurzen Mitteilungen und Postkarten. Ende 19. – Mitte 20. Jhdt. Verschied. Formate. (130)
Schätzpreis: 600,- €
regular tax scheme 19% VAT
Ergebnis: 300,- €


Der jüdische Arzt Dr. Ludwig Weil praktizierte ab 1902 in Stuttgart, hatte daneben die Leitung der Privatabteilung im Marienhospital inne und war Vertrauensarzt beim Oberversicherungsamt sowie Gerichtsarzt beim württembergischen Versorgungsgericht. Zusammen mit seiner Frau mußte er 1936 emigrieren (vgl. S. Ruess, Stuttgarter jüdische Ärzte während des Nationalsozialismus, 2009, S. 294-298).

Aus dem beruflichen Zusammenhang liegen Schreiben von Prof. Dr. Walter Frey, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Bern, dem Geh. Hofrat Dr. Römheld (ärztlicher Leiter des Sanatoriums Schloß Hornegg), Prof. Gerhard Stroomann (leitender Arzt des Kurhauses Bühlerhöhe), dem in München geborenen und in die USA emigrierten Internisten Siegfried Josef Thannhauser und von vielen anderen vor. Weiterhin Briefe von Patienten, amtliche Schreiben, Anschreiben im Rahmen von Weils Tätigkeit als Vorsitzender des Liberalen Vereins Stuttgart und der Stuttgarter Loge B’nai B’rith, Mitteilungen der Redaktion des russischen Journale für medicinische Chemie und Organotherapie St. Petersburg und der Stuttgarter Zeitung. Unter der privaten Korrespondenz Briefe zahlreicher Künstler, darunter des Schauspielers, Autors und Dramaturgen Harry Alsen, des Bildhauers Rudolf Bosselt (arbeitete u.a. ab 1899 als Gründungsmitglied in der Darmstädter Künstlerkolonie), des Opernsängers Robert Butz, des Stuttgarter Malers Felix Hollenberg und des Musikers Otto Hollenberg, des Schweizer Grafikers und Malers André Lambert, des Bankiers und Kunstsammlers Fritz Mannheimer/Amsterdam, des Generalintendanten des königlich-württembergischen Hoftheaters in Stuttgart und Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins Joachim Gans zu Putlitz sowie der Musiklehrerin, Malerin, Schriftstellerin und Philosophin Gertrud Simmel. Ferner erwähnenswert eine an Weils Frau gerichtete Karte mit dem Porträt einer jungen Frau in Bleistift von Clara Enchelmayer sowie eine Karte Millis mit Bleistiftporträt an Fräulein Elsa Loeb in Nürnberg, etliche gelaufene Postkarten u.a. von der Familie Lambert an die Weils, wenige Ansichtskarten, Todesmitteilungen, Autogramme (u.a. der Opernsängerin Fritzi Scheff), zwei Photographien an Bord eines Schiffes. – Beiliegen auch einige Briefe und Dokumente aus der ersten Hälfte und Mitte des 19. Jahrhunderts, etwa ein Schulzeugnis von Millis Vater Ludwig Schweizer von 1855, sowie ca. 50 ausgeschnittene u. teils montierte Unterschriften. – Leichte bis mäßige Altersspuren. Zusammen ca. 200 Dokumente.