9: ARZNEIMITTEL – REZEPTBUCH EINES BADERS.

Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Tirol, um 1680. 4º. 344 S., 34 Bl. (davon 7 mit Griffregister; ca. 20 weiß). Pgt. d. Zt. (starke Altersspuren). (9)
Schätzpreis: 1.600,- €
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Sehr umfangreiche Sammlung von Heilmittelrezepten, meistenteils von einer Hand in ordentlicher Kurrentschrift geschrieben. – Aus der zweiseitigen gereimten Vorrede geht hervor, daß das Manuskript auf einen Bader oder Feldscherer zurückgeht. Außerdem richten sich zwischen dem ersten, mehr als 500 Rezepte umfassenden Teil (S. 1-240) und dem zweiten Teil mit etwa 150 weiteren Rezepten (S. 278-344) in der gleichen Handschrift zwei Texte an diesen Berufsstand: "Fragen von der Baders Profession" (S. 241-261) und "Frag Stuckh, wie man sich nach denen Fragen freintlich beantworten soll" (S. 265-270). Dann folgen Verzeichnisse der Apothekerzeichen und – gewichte sowie Listen unterschiedlicher Wasser und Öle sowie von Pestkräutern und -wurzeln. Am Ende finden sich ein Inhaltsverzeichnis mit alphabetischem Griffregister und ein Verzeichnis lateinischer Pflanzennamen. Belegt wird der Gebrauch des Rezeptbuches durch einen Bader auch durch einzelne Überschriften der Rezepte, wie "Ein anders von Joseph Mayr Bader" oder "Wan ein Bader die Aderen nit finden kann".

Die Rezepte umfassen eine Fülle einfacher Mittel, etwa "Wunden zu trukhnen", "Pflaster zu alten Schäden", "Die Milben im Haar zu tödten" oder "Meiß oder Fluigen zu vertreiben", aber auch Heilmittel für Krankheiten wie Gelbsucht, die Pest oder eine "Gemeine Franzosen Kur". Manche Mittel sind für "Mensch und Vich" geeignet, andere sollen gegen Zauberei helfen, wie etwa das Tragen einer Wurzel von Eisenkraut. – Auf die Herkunft aus Tirol weist neben der mundartlichen Färbung etwa ein Rezept für einen "Wundt Tranckh, so Herzog Sigmund selbsten gebraucht". An einigen Stellen wurden Rezepte von anderen Händen, wohl wenig später ergänzt. – Oben stellenw. mit Wasserrand und verwischt, etw. braun – und stellenw. fingerfleckig.

Recipe book of a bather. German manuscript on paper. Probably Tyrol, around 1680. Very extensive collection of about 650 remedies, masterfully written by one hand in neat cursive script. The recipes include an abundance of simple remedies, but also remedies for illnesses such as the plague or a ‘common French cure’. Some remedies are suitable for both humans and cattle. In addition to the dialectal colouring, a recipe for a ‘Wundtranck’ (wound draught) by Duke Sigmund points to its origin in Tyrol. – In some places, recipes from other hands were added, probably a little later. Waterstained and smudged in places at the top, sporadically somewhat brown and fingerstained. – Contemporary vellum (heavy traces of age).