86: ALBUM AMICORUM – "ERIN(N)ERUNG".

(Deckeltitel). Stammbuch eines Onkels des Archäologen Ludolf Stephani mit ca. 60 Einträgen überwiegend aus Sachsen (Albrechtshain, Beucha, Brandis, Leipzig, Seifertshain und Wittenberg) sowie Berlin und Stettin. Dat. 1808-11. Qu.-8º (11,5 x 20 cm). Mit ganzseit. Bleistiftzeichnung. Ca. 150 Bl. (darunter zahlr. weiße). Bestickte Seide d. Zt., monogr. "W" (beschabt und bestoßen). (4)
Schätzpreis: 600,- €
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Stammbuch eines Mitgliedes der Pastorenfamilie Stephani in Beucha (heute ein Stadtteil von Brandis bei Leipzig), angelegt wohl anläßlich der Aufnahme des Studiums in Leipzig. – Der früheste Eintrag (12. 10. 1808) stammt vom Vater Friedrich Gotthold Stephani (1760-1811), Pastor in Beucha. Am 8. 11. 1808 trug sich der Bruder Eduard Stephani (1787-1856) ein, später ebenfalls Pastor in Beucha, der Vater des Altertumswissenschaftlers und Archäologen Ludolf Stephani (1816-1887).

Als bedeutendster Beiträger ist der Bibliothekar und Bibliograph Friedrich Adolf Ebert (1791-1834) zu nennen. In seinem Eintrag vom 22. Oktober 1811 erinnert er den Freund an eine "glücklich und froh verlebte Reise auf dem Rhein". In Stettin trug sich am 25. 1. 1810 der Musiklehrer und Komponist Carl Karow (1790-1863) ein. Mehrere Beiträge stammen von Theologen, darunter der Pastor der Leipziger Nikolaikirche, Christoph Friedrich Enke (1752-1839), der Diakon der Wittenberger Stadtkirche, Karl Friedrich Wunder (1760-1824), "einstens glücklicher Nachbar des unvergeßlichen Beuche", oder Carl Gottlieb Vater, Pastor in Seifertshain, dessen Tochter Auguste einen bewegenden Augenzeugenbericht über die Völkerschlacht bei Leipzig verfaßte.

Zum Leipziger Bekanntenkreis des Eigners gehörten mehrere Kaufleute, etwa Friedrich Daniel Winckler (1760-1809), der Sohn des Leipziger Bankiers Gottfried Winckler, der eine bedeutende Kunstsammlung besaß. Mit Beiträgen in französischer, englischer, italienischer und spanischer Sprache verewigten sich L(oui)s Constancien (1785-1873), "d’Orbe Canton de Vaud en Suisse", Joseph Bellatti, Carl Bellatti "aus Mailand" und Joaquin Amadeo (also Joachim Gottlieb) Ludendorff aus Stettin.

Wohl von Leipziger Kommilitonen stammen zwei launige Einträge am Ende des Bandes, einer von Johann Karl Schmidt, "einstweiliger Cultor der Gottesgelahrtheit", mit einer mit "Lamentoso" überschriebenen Notenzeile, und eine ganzseitige Erinnerung an einen feuchtfröhlichen "zweiten Pfingstfeyertag 1811". – Gering fleckig.