835: KÜNSTLERBUCH – GRIND, REGULA, L. DE MORALES UND E. SIEWIN,

Von Phall zu Phall. (Berlin 1967). 19,5 x 15 cm. 58 nn. Bl., davon 53 hauptsächlich mit ganzseit. Bleistiftzeichnungen, einige wenige mit anderen künstlerischen Einfällen. Orig.-Brosch. (Rücken leicht geblichen). (72)
Schätzpreis: 800,- €
Ergebnis: 1.600,- €


Exemplar Nr. Ö [entspricht Nr. 28] der zweiten Auflage (Gesamtaufl.: 30). – Gemeinschaftsarbeit von Maruta Schmit, Ludwig Gosewitz (1936-2007) und Tomas Schmit (1943-2006), die diese Arbeit unter den Pseudonymen Regula Grind, Luis de Morales und Erwin Siewin verbreiteten, um nicht wegen Pornographie belangt werden zu können. Die drei Künstler verfremden in ihren überaus geistreichen und originellen Wort – und Bildspielereien das Wort Fall, einmal auch die Zigarettenmarke Pall Mall, indem sie bei Fall das F durch ph ersetzen und bei Pall ein h einfügen und dann mit dem entstandenen phall das auf der Hand liegende Wort Phallus assoziieren. Die so erzeugten phallischen Wörter und Wendungen, fast alle in Kleinschreibung, "der einphall", "der abphall", "das ist häufig der phall", "besagter phall" und so weiter, werden dann ins Bild gesetzt: zumeist in reinen Bleistiftzeichnungen, die in einigen Fällen mit Farbtupfern in Rotstift oder Deckweiß oder mit applizierten Buntpapierschnipseln versehen sind; "der wegphall" trägt nur den Bildtitel auf dem sonst leeren Blatt, "ein literarischer phall" hat ein kleines Schild aus gelbem glänzenden Buntpapier mit der maschinenschriftlichen Aufschrift "phallobstzönales", "wenn das der phall wäre" ist eine Collage aus einem Faden als Penisschaft und einer rosafarbenen Glans aus Glanzpapier. Die Bildtitel selbst sind aufgestempelt, meist als Unterschriften. Die Bücher sind in Wort und Bild mithin vollständig von Hand hergestellt, die einzelnen Stücke der Auflage weichen daher geringfügig voneinander ab und sind unikal.

Das Werk existiert in drei Auflagen. Die erste erschien in 50 Stücken 1966 und ist von uns in öffentlichem Besitz nur in der Staatsgalerie Stuttgart nachzuweisen (im Archiv Sohm, Inventarnummer AS 2013/1108). Nachdem die erste Auflage vergriffen war, stellten die Künstler im November 1967 eine zweite Auflage in 30 Stücken her, die mit den Buchstaben A-Z und den Sonderzeichen Ä, Ö, Ü und ß numeriert sind; von dieser zweiten Auflage können wir in öffentlichem Besitz kein Exemplar nachweisen. Eine dritte Auflage brachte der Verlag der Gebrüder König in Köln um 1970 im Nachdruck in Offsetdruck heraus; in 1000 Exemplaren gedruckt, ist diese Ausgabe die im Antiquariatshandel und in Bibliotheken üblicherweise anzutreffende. – Auf gelbbräunliches Papier gedruckt. – Seitlich und unten unbeschnitten.