734: HANDWÖRTERBUCH DER SEELENMAHLEREY

zum gemeinützigen Gebrauch besonders für Zeichner, Mahler und Liebhaber charackteristischer und allegorischer Darstellung. Nebst zwey u(nd) fünfzig in Kupfer gestochenen Köpfen von Le Brün. Wien, Haas, o. J. (1804). Mit gestoch. Titel und 13 Kupfertafeln. VI, 370 S. Hldr. d. Zt. mit mod. Rsch. (Kapital etw. läd., beschabt, bestoßen). (112)
Schätzpreis: 500,- €
regular tax scheme 7% VAT
Ergebnis: 500,- €


Nachdruck der Ausgabe Leipzig, Kleefeld, 1802. – Vgl. Fromm 14617. Zischka 125 (beide die EA unter Le Brun). – Nach Fromm handelt es sich beim "Handwörterbuch" um eine Übersetzung des "Traité sur la physionomie" von Charles Le Brun (1618-1690). Tatsächlich sind jedoch nur die Kupferstiche nach Vorlagen von Le Brun angefertigt, dem Hofmaler von Ludwig XIV., der Text ist keine Übersetzung, sondern ein durchaus eigenständiges Werk über den Ausdruck der Gemütsbewegungen, Empfindungen, Gefühle, Leidenschaften in der bildenden Kunst, verfaßt um 1800. Einige Indizien sprechen für den zu Kant in Gegnerschaft stehenden Philosophen Johann August Eberhard (1738-1809) als Verfasser, der unter anderem ein großes Synonymenwörterbuch veröffentlicht hat. In der "Seelenmahlerey" wird Mendelssohn, auf den der Begriff zurückgeht, im Vorwort positiv erwähnt – Mendelssohn und Eberhard waren befreundet. Eberhard hat seine Arbeiten gerne anonym veröffentlicht. Sicher ist das "Handwörterbuch der Seelenmahlerey" nicht von Le Brun, wie Fromm und Zischka schreiben; ob es von Eberhard ist, läßt sich zwar nicht beweisen, aber doch begründet mutmaßen. – Die Ausgabe bei Haas 1804 beinhaltet auch ein Frontispiz, ob dieses hier fehlt oder schon vom Verlag weggelassen wurde, ließ sich nicht klären.

NACHGEB.: DIE LEIDENSCHAFTEN NACH LE BRUN IN UMRISSEN. Wien und Prag, Haas, o. J. (um 1804). Gestoch. Titel und 21 Kupfertafeln. – Gering gebräunt und etw. fleckig.