72: ERSTER WELTKRIEG – "KRIEGSTAGEBUCH VON WILHELM HEUSER".

Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. Berlin, 7. 1. 1937. 4º. Mit 11 mont. Photographien, 11 eingebundenen Briefen, 13 mont. Postkarten und weiteren Beilagen. Ca. 140 Bl. (davon 40 weiß). Hlwd. d. Zt. (3)
Schätzpreis: 400,- €


Anhand von Tagebuchnotizen aus den Kriegsjahren angelegte Chronik in zwei Teilen über den Einsatz an der Westfront (43 Blätter) und an der Ostfront (47 Blätter). – Der aus Frankfurt stammende Wilhelm Heuser wurde als Unteroffizier am Beginn des Ersten Weltkrieges zunächst zur Pferdeaushebung und dann bei dem Feldzug über Luxemburg und Belgien nach Frankreich im Feldartillerie-Regiment Nr. 27 Oranien als Geschützführer und Meldereiter eingesetzt. "Die Begeisterung war groß" heißt es zu Beginn. Doch bald beginnt das Grauen, geschildert in Sätzen wie "Pferde und Menschen bildeten einen einzigen blutigen-zuckenden Haufen" oder "Ringsum lodern die Flammen brennender Dörfer gegen den dunklen Himmel". Eine Tabelle dokumentiert mit Ortsangaben vom August bis Dezember 1914 insgesamt 929 in Frankreich "mit meinem Geschütz abgegebene Schüsse".

Im Januar 1915 wird Heuser mit dem Reserve-Feldartillerie-Regiment 56 nach Ostpreußen gebracht, wo er zunächst wieder als Geschützführer und später als Scherenfernrohrbeobachter und Meldereiter dient. Die Aufzeichnungen über die Kriegsereignisse enden mit der Abberufung zu einem Hilfslehrgang für Feuerwerker in Berlin im Februar 1916.

In einem dritten Abschnitt in der Chronik, überschrieben "Der November-Verrat 1918. (Meine Erlebnisse während der Revolution)" werden die Revolutionsereignisse aus der Sicht des Teilnehmers an einem Lehrgang der Kriegsfeuerwerkerschule in Spandau geschildert (19 Blätter).

Eingebunden sind neben Karten des Frontverlaufes, Feldpostbriefen, Photographien und Postkarten aus der Kriegszeit auch die Bescheinigung über die Entlausung am Ende der Dienstzeit und eine Glückwunschkarte der Stadt Frankfurt zur Verleihung des Eisernen Kreuzes. – Minimale Altersspuren.

Beiliegt ein Photoalbum, im Zweiten Weltkrieg angelegt von dem Sanitätsgefreiten Axel Heuser. Ca. 150 Photographien dokumentieren seine Einsatzorte, darunter Guben, Ypern, Lille, Brüssel, Paris und Abbéville. – Ferner beiliegend ca. 20 persönliche Dokumente, unter anderem Belege über die Kriegsgefangenschaft Axel Heusers von 1945-47.