714: MISSALE – KANONTEIL – FAKSIMILE

nach einem alten Druck. Wohl Deutschland, um 1900. Fol. (ca. 41 x 30 cm). Mit kolor. ganzseit. Kanonbild, kolor. Initiale und kolor. Kußbild, jeweils mit Gold, eingemaltem Rankenstab sowie zahlr. eingemalten Initialen in Mennigrot. 10 Bl. Ldr. d. Zt. über Holzdeckeln mit Eck- und Mittelbuckeln sowie Schließe aus Metall, wohl unter Verwendung eines etw. älteren Lederrückens (Altersspuren). (11)
Schätzpreis: 500,- €
Ergebnis: 590,- €


Sehr aufwendiges Faksimile, gedruckt auf dickem beschichteten Papier, das optisch und haptisch wie Pergament anmutet. – Als Vorlage diente ein Missale mit Holzschnitten nach Michael Wolgemut. Zwar konnten wir die genaue Vorlage nicht ermitteln, doch entspricht unser Kanonbild bis auf den Wappenschild am Fuß des Kreuzes dem Kanonholzschnitt von Michael Wolgemut im Missale Magdeburgense, das bei Georg Stuchs in Nürnberg 1503 gedruckt wurde (VD 16 M 5587). Die Te-Igitur-Initiale zeigt wie dort, doch in einer anderen Fassung, die Opferung Isaaks. – Neben dem aufwendig präpariertem Papier zeugen auch die Übermalung der Bildmotive und ihre partielle Vergoldung sowie die eingemalten Blattranken und Initialen von einem überaus ehrgeizigen Projekt, das unter Einsatz moderner Drucktechnik den Anschein einer mittelalterlichen Handschrift erwecken sollte. Dazu trägt ebenso der Einband bei mit seinen in kunstvollen Formen geschmiedeten, gleichzeitig in der Ausführung rustikalen Beschlägen.

Über Entstehungszeit und Verwendungszweck des reizvollen Objektes konnten wir keine Klarheit gewinnen. Es mag noch im 19. Jahrhundert entstanden sein, vielleicht als ein ehrgeiziges Projekt des Regensburger Pustet-Verlags, der sich im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem Vorreiter auf dem Gebiet der liturgischen Drucke und Prachtausgaben entwickelt hatte. Andererseits halten wir auch eine Anfertigung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts für möglich, vielleicht als ein Theater – oder Filmrequisit oder auch Repräsentationsstück im Sinne der Mittelalterromantik. – Bindung gelockert, etwas fleckig und am Rand angestaubt.