71: WIEN – KOLLEGIUM KALKSBURG – "RAUCHTEMPELCHRONIK."

Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. Kollegium Kalksburg, 1923-37. Fol. Mit ca. 25 mont. Gedruckten Programmzetteln, 2 mont. Zeitungsausschnitten und hs. Programm (lose). 64 Bl. Hlwd. d. Zt. (Altersspuren). (24)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 200,- €


Das Kollegium Kalksburg, auch Collegium Immaculatae Virginis, im Wiener Gemeindebezirk Liesing gelegen, war ein von Jesuiten geleitetes Privatgymnasium mit vielen Schülern aus hohem Adel. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde es 1938 aufgelöst. – Im "Rauchtempel" trafen sich Schüler der oberen beiden Klassen nicht nur zum gemeinschaftlichen Trinken und Rauchen, sondern organisierten auch diverse gemeinsame Unternehmungen und Veranstaltungen: Theateraufführungen, Faschingsfeiern, Vorträge, Ausflüge und Jausen.

Unsere Handschrift enthält Protokolle der einzelnen Sitzungen. Am Beginn jedes Schuljahres sind jeweils die Namen der "Rauchtempler" und der gewählten "Amtspersonen" verzeichnet, so Großmeister, Präsident, Vizepräsident und Sekretär. Einer der ersten verzeichneten Beschlüsse lautet: "Damit die Templer immer genug Rauchmaterial haben, werden von jetzt an Zigaretten in größerer Menge eingekauft, die man nach Belieben und um den gewöhnlichen Preis beim Sekretär kaufen kann." Zur Aufführung kamen Theaterstücke unter anderem von Gogol, Nestroy und Shakespeare. Regelmäßig gab es Treffen mit den "Altkalksburgern", und die Maturafeiern wurden feierlich vom "Tempelorchester" begleitet. – Spiegel mit mont. hs. "Direktiven zur Führung der Tempelchronik", datiert 4. 3. 1924, und Etikett der Wiener Papierhandlung Rudolf Sterbenz. – Mehrfach gestempelt "Rauchtempel Präsidium Kalksburg", leicht fleckig.