709: POCCI, F. (VON),

Viola Tricolor. München und New York, Stroefer & Kirchner, 1876. Fol. Mit lithogr. Titel und 8 chromolithogr. Tafeln. 16 Bl. OLwd. (gering fleckig, stärker berieben und etw. bestoßen). (111)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 440,- €


Erste Ausgabe. – Moisy 235. Pocci (Enkel) 547. Dreyer 208. Rümann 1626. – Skurrile Bilderfolge, bei der die Köpfe der Figuren durch Stiefmütterchen ersetzt sind. Eine geniale Bildfindung in humoristischer Absicht, die sich nicht nur aus der Tradition des Capriccios speist, sondern auch den Surrealismus eines Max Ernst vorwegzunehmen scheint. – Ausgangspunkt für die "Viola Tricolor" war Pocci allerdings der zeitgenössische künstlerische Diskurs über das "Reale", dem gegenüber dem "Idealen" stets der Vorzug gegeben wurde. Pocci schloß daraus, daß "die Figurenmalerei der Köpfe nicht bedarf … Ich habe durch unablässiges Studium entdeckt, daß die ‘Viola Tricolor’ in ihrer Anwendung auf die Malerei der Repräsentant aller menschlichen Physiognomik ist. Malen Sie z. B. nur ein paar schwedische Stulpstiefel auf das genaueste – so ist auch der Gustav Adolf schon da" (Pocci). – Ausgestellt auf der Weltausstellung in Philadelphia 1876. – Innengelenke gebrochen und mit Heftstreifen repariert, gering gebräunt und etw. fleckig.