685: (WÖELLNER [PSEUD.]),

Fürstbürger Phosphorus oder die Allerweltpfaffenharlekinade. Eine komische Geschichte aus der Sphäre des Monds. "Alethiopel, gedruckt im dritten Jahre der Vernunft" (= Braunschweig, Vieweg, 1795). Mit gestoch. Frontisp. und gestoch. Titelvign. von F. Ramberg nach Schubert. 1 Bl., 304 S. Ldr. d. Zt. mit Rsch. und Rvg. (Altersspuren). (140)
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Erste Ausgabe. – VD 18 15291413 (mutmaßlicher Verfasser Johann Friedrich Ernst Albrecht oder Johann Christoph von Woellner). Hevesi 385. Holzmann/Bohatta VII, 7995 (vermuteter Verfasser: J. F. E. Albrecht). Hayn/Gotendorf VIII, 561: "Burleskes, antipfäffisches Pasquill in Blumauers Geschmack." Weller, Druckorte, I, 168. Kosch XXXIV, 581 (unter den Literaturangaben zum Artikel über Woellner mit ermitteltem Verfasser J. F. E. Albrecht). – Vgl. für die spätere "Neueste Ausgabe", bei der als Verfasser auf der Titelseite Wöellner genannt ist: Goed. V, 453, 34, und 552, 29, sowie Holzmann/Bohatta III, 8908. – Fürst Phosphorus herrscht über ein nach den Idealen der Aufklärung verfaßtes Land im Mond. Eines Tages verfällt er in Schwermut, und seine Berater erklären, sie könne nur durch ein homerisches Gelächter wieder geheilt werden; zu diesem Zweck läßt er die größten Narren des Erdplaneten zu sich kommen: die Pfaffen. Sie kraxeln über eine Leiter in den Mond und kramen ihre Glaubensartikel aus. Das endet in gegenseitigen Beschimpfungen und ziemlich burlesken Szenen. Phosphorus wird dadurch geheilt und erkennt nebenbei den allen Religionen gemeinsamen wahren Kern: den Gott der Liebe und das Ideal der Tugend.

Von den Zeitgenossen wurde das Werk offenbar auch verstanden als Satire auf das Religionsedikt von Johann Christian von Woellner (1732-1800), dem Minister und Hausgeistlichen unter Friedrich Wilhelm II. von Preußen. – Der Verfasser hat, wie aus den Anmerkungen hervorgeht, bei Kästner in Göttingen studiert und wird wohl im Kreise der Berliner radikalen Publizisten zu suchen sein. Die Verwirrung in der Autorenfrage kam vermutlich auch dadurch zustande, daß in der 1808 erschienenen zweiten Auflage pikanterweise Wöellner als Autor auftritt und seine Beamten Hermes und Hillmer – Hermann Daniel Hermes (1734-1807) und Gottlob Friedrich Hillmer (1756-1835) – als Verleger.

Im Register zu Goedekes "Grundriß", das Herbert Jacob bearbeitet hat, ist Woellner aufgeführt ohne Vornamen und mit dem Zusatz "Pseud." Dieser Deutung des in der "neuesten Auflage" mit dem bloßen Nachnamen genannten Verfassers schließen wir uns an, normieren und verändern die originale Namensform, wiewohl die Aufeinanderfolge öe im Deutschen eher ungewöhnlich ist, jedoch nicht. Daß Wöellner/Woellner nicht der supponierte bekannte Johann Christoph von Woellner sein kann, auch wenn die Namenswahl, die eine deutliche Anspielung auf ihn ist, die Gleichsetzung suggeriert, ergibt sich aus dem Charakter einer Satire. Im Katalog der Sammlung Maassen, wo das Werk, wie in einigen Bibliothekskatalogen noch immer, unter Johann C. Woellner verzeichnet ist (unter der Nr. 4895), wird Maassens kundiger Eintrag in sein Exemplar zitiert: "Verfasser? bestimmt nicht von Joh. F. E. Albrecht, … auch nicht 1797 [erschienen], sondern 1795, das 1. Jahr der Vernunft ist 1793!" Auch diese Hinweise haben wir in unsere Titelaufnahme einfließen lassen. – Fleckig und etw. wasserrandig, gebräunt. – Mit hübschen Buntpapiervorsätzen.