67: "RECEPTIR ‘TASCHEN’ BUCH für Johann Dehler approbirt(en) B(a)d(e)r."

Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. Lichtenfels, 12. 3.39. Ca. 120 Bl. (davon ca. 40 weiße). Hldr. d. Zt. mit Deckellasche, Falttasche im hinteren Deckel und 2 Stiftlaschen (Gelenk eingerissen, beschabt). (8)
Schätzpreis: 600,- €
Ergebnis: 300,- €


Sammlung von Heilmittelrezepten, angelegt von Johann Dehler (1816-1890), dem Großvater des FDP-Politikers Thomas Dehler (1897-1967). – In zunehmend flüchtiger Kurrentschrift notierte sich der approbierte Bader auf den ersten 50 Blättern der Handschrift eine große Anzahl von Rezepten für Mixturen, Pillen, Pulver und Dekokte, unter anderem gegen Gelbsucht, Herzklopfen und Blutspeien, Husten und Keuchhusten, Kropf, Wassersucht oder Mundfäule und Skorbut. Enthalten ist auch eine längere Anleitung für die "Behandlung der Syphilis cum Quecksilber". – Am Ende des Manuskriptes finden sich einige Blätter mit Tagebuchaufzeichnungen des ursprünglichen Besitzers, aber auch Familienstandseintragungen und Notizen zu Vermögensverhältnissen seiner Nachfahren bis zum Jahr 1902. – Johann war der letzte Bader aus der Familie Dehler; Angehörige des Geschlechtes der Dehler sind im oberfränkischen Lichtenfels in diesem Beruf seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Johann Dehler gab diese Tätigkeit 1866 auf, zu einer Zeit, als die Betreiber von Badstuben mit ihrem medizinischen Wissen zunehmend von approbierten Ärzten verdrängt wurden. Er wirkte in der Folge als Metzgermeister, Brauer und Gastwirt (vgl. Udo Wengst, Thomas Dehler: 1897-1967. Eine politische Biographie. München 1997, S. 14-15). – Beiliegen circa zehn Notizblätter, meist mit Rezepten oder Briefen. – Etw. fleckig, leicht gebräunt.