581: A(BEL), J. J.,

Die von einigen schon längst verlangte richtige, bey unterschiedenen aber vielleicht unangenehme und gehäßige Medicinal-Ordnung, wornach sich doch billich die Medici, insonderheit aber Physici, bey ihrem Amte, ingleichen die Apothecker, Wund-Ärzte, Barbierer ... und Balsam-Sulphuris-Träger zu richten haben. Von J. J. A. M. L. "Kranckenthal, Bey Jean de la Malade", 1711. 31 S. Mod. Pp. unter Verwendung eines spätmittelalterlichen Manuskriptblattes für den Vorderdeckel. (204)
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Einzige Ausgabe. – VD 18 12225908 (Initialen nicht aufgelöst). – Nicht bei Weller. – Ausführliche Medizinalordnung für alle Berufe des Gesundheitswesens des frühen 18. Jahrhunderts; am Ende eine Gebührenordnung für Medici (akademische Mediziner), Apotheker und Wundärzte (Chirurgen). – Erscheinungsort und Verleger sind fingiert, Indizien für eine Entschleierung des wahren Ortes und Verlages ließen sich von uns nicht finden. Wohl aber ist es uns gelungen, den Namen des Verfassers aufzuklären, der sich hier nur mit seinen Initialen J. J. A. M. L. nennt. Im Jahr zuvor, 1710, hat er nämlich unter den noch etwas erweiterten Anfangsbuchstaben J. J. A. M. L. und P. eine Kurtze doch ausführliche Beschreibung von dem in Teutschland hochberühmten Kayser-Carls-Bad veröffentlicht. Und diese Beschreibung Karlbads ist aufgeführt im "Repertorium der Schriftsteller, welche über Mineralwasser überhaupt geschrieben haben", welches Verzeichnis sich im fünften Band der von Franz Ambros Reuß herausgegebenen Sammlung physikalischer Aufsätze findet (Dresden 1798, S. 317-414). Unter der Nr. 139 (S. 339) heißt es da: "J. J. A. M. L. und P. (Joh. Jac. Abel) kurze doch ausführliche Beschreibung …" Johann Jacob Abel ist also der Name des Verfassers, "M. L." war er, also ein Medicinae Licentiatus, "und P.", also ein Practicus dazu. Und 1710/11 ist er mit zwei Schriften aus dem Bereich der von ihm ausgeübten Heilkunst auch literarisch tätig geworden. Das ist zwar biographisch noch immer nicht viel, aber im Blick auf unsere Schrift mehr als bisher [September 2018], wo Abel in fast allen Bibliothekskatalogen als Anonymus figuriert.

Die einzige Ausnahme bildet der Katalog der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Braunschweig: dort ist die Medizinalordnung von einem Katalogisator dem vielschreibenden Arzt Christoph von Hellwig zugeschrieben worden. Selbstverständlich würde das kleine Werk zu Hellwig "passen", zeitlich wie thematisch; gleichwohl halten wir diese Zuschreibung nach dem Gesagten für falsch. (Übrigens findet sich auch in dem neuesten Werk über Hellwig – Jürgen Strein, Wissenstransfer und Popularkultur in der Frühaufklärung. Leben und Werk des Arztschriftstellers Christoph von Hellwig, Berlin und Boston 2017 – auf 271 Seiten nirgends ein Hinweis auf Hellwig als Autor der Medizinalordnung oder die Zugehörigkeit der Initialen J. J. A. M. L., die dann besser als eine Chiffre zu bezeichnen wären, zu Hellwig.) – S. 5-8 am Seitensteg mit kleinem Tintenfleck, leicht gebräunt, braunfleckig.