57: TRUGENHOFEN – "DAS BUCH DER MÄRCKWURTIGKEITEN".

Deutsche Handschrift auf Papier. Dat. Trugenhofen (Lkr. Heidenheim), 1806-69. 4º. 49 Bl. (darunter wenige weiße). Beschäd. Pp., dat. 1799 (Titelschild). (36)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 200,- €


Aufzeichnungen zu familiären Verhältnissen und Finanzen von Hans Georg Mayer, Maurer und Bewirtschafter eines landwirtschaftlichen Betriebes in Trugenhofen (heute ein Ortsteil von Dischingen, Lkr. Heidenheim). – Der erste Eintrag gilt der Verheiratung mit Franziska Hörmann am 11. November 1806. Festgehalten sind dabei insbesondere die Bedingungen der Übernahme des Anwesens der Schwiegereltern, denen er ein "stublein zum wohnen bauen" muß. Penibel werden auch die aus dem Heiratsgut und von Verwandten empfangenen Geldbeträge notiert, ebenso die Kosten der Zeche einschließlich der Bewirtung der drei Musikanten, des Pfarrers und des Schulmagisters. – Neben den Einträgen zu familiären Todesfällen und den Geburten von insgesamt acht Kindern nimmt die Dokumentation des Vermögens einen großen Teil der Notizen ein. Ausgaben für das "Bauwesen, nämlich die Stuben vergrößert und das obere Stuble gemacht", werden summiert, Kredite, Erbschaften, Geldgeschäfte mit Juden, der Erwerb von Wiesen, Äckern und Weiden sind ebenso verzeichnet wie die Zahlungen für ein uneheliches Kind, das einer seiner Söhne zeugte. Steuern mußten zunächst an das Königreich Bayern abgeführt werden, nach dem Gebietstausch 1810 an das Königreich Württemberg. – Im Jahr 1814 erwarb Hans Georg Mayer einen Meisterbrief in der Nachbargemeinde Ballmertshofen, wohl im Maurerhandwerk, da er als seine erste Arbeit die "Thürgericht", also eine Türumrahmung, am dortigen Friedhof anführt. – In dem Eintrag zum Tod eines Sohnes, der im Alter von 16 Jahren von einem "Stadelthor plötzlich todgeschlagen worden", sind zuletzt auch die "Leuchekösten" aufgelistet. Noch stärker von emotionaler Anteilnahme geprägt ist der Bericht über den Tod eines beim Wildern gestellten Schwiegersohnes, dem der "Leib voll Schrodt" geschossen wurde. Väterliche Sorge und Stolz kommen in den Notizen zum Lebenslauf der Söhne zum Ausdruck, von denen einer zunächst "das Studieren auf Geistlichkeit" begann, es schließlich aber zum "Stabsfurier" bei der königlichen Leibgarde in Stuttgart brachte. – Das Büchlein besteht aus mehreren Lagen von unterschiedlichem, teils bläulichem oder bräunlichem Papier. – Block gebrochen und tls. vom Einband gelöst, wenige Blätter herausgeschnitten, etw. fleckig. – Seltener Einblick in das Leben der bäuerlich-handwerklichen Schicht im Grenzgebiet zwischen Bayern und Württemberg.