568: HAYDN – KAISERHYMNE – STARKE, F.,

Des teutschen Mädchens Wunsch und Vorsatz(,) von J. F. Castelli. Declamirt auf dem k. k. Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore von Mad. Korn. In Musik gesetzt mit Begleitung des Pianoforte oder der Guitarre und der Mademoiselle Therese Klieber zugeeignet. Wien, Traeg, o. J. (Plattennr. 592, 1814/15). Qu.-4º. 5 S. (Titel [in der Paginierung] und Notentext, alles gestochen). Lose, ohne Einband. (136)
Schätzpreis: 800,- €
regular tax scheme 7% VAT


Einziges bekanntes Exemplar. – E. Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, Wien 1869, S. 176. – Eines der zahlreichen Stücke, die anläßlich der Befreiungskriege bei den vielen, wohltätigen oder patriotischen Zwecken dienenden Konzerten in Wien um 1814/15 zur Aufführung gekommen sind. Hanslick überliefert das Programm des Konzerts, eine "Akademie der adeligen Frauen" am 23. Februar 1814, bei welchem Konzert das vorliegende Stück als die Nummer zwölf von 16 Programmpunkten dargeboten worden ist. Es handelt sich um einen sechsstrophigen Gedichttext des damals in Wien populären Schriftstellers Iganz Franz Castelli (1781-1862), den die Hofschauspielerin "Madame Korn" (Wilhelmine Korn; 1786-1843) mit Klavier – oder Gitarrenbegleitung vortrug. Wie beim Klärchen in Goethes Egmont ist es die Klage eines Mädchens, nicht am Kriegsgeschehen teilhaben zu dürfen. Einen ähnlichen Text hatte Castelli schon anläßlich der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 verfaßt, und auch dieser war von Madame Korn am Kärntnertortheater vorgetragen worden (vergl. Goedeke IX, S. 55, Nr. 13). – Friedrich Starke (1774-1835) war Komponist, Hornist und Musiklehrer. Beethoven schätzte ihn so, daß er um 1815 sogar seinen Neffen von ihm unterrichten ließ. Starke war insbesondere als Bearbeiter und Komponist von Militärmusik bekannt geworden (vgl. MGG XII, 1189). Das vorliegende Stück, laut Titel sein 73. Werk, war nur für diese Akademie (und allenfalls gelegentliche Wiederholungen) bestimmt, gewissermaßen also für einen ephemeren Anlaß. Dies erklärt, warum die Auflage bis auf dieses Exemplar offenbar vollständig verlorengegangen ist. In Katalogen und Periodika dieser Zeit wird der Druck jedoch erwähnt, so etwa in der Allgemeinen musikalischen Zeitung, 17. Jg., 1815, Intelligenzblatt Nr. VI, September 1815, S. 23).

Die Besonderheit dieser Komposition ist das im Druck vermerkte "Nachspiel von Jos. Haydn", das die letzten fünf Takte umfaßt und, dem patriotischen Anlaß gemäß, die Schlußtakte der Kaiserhymne zitiert, die Haydn 1797 komponiert hatte. Da dieser instrumentale Schluß bei jeder Strophe des Gedichts wiederholt wird, ist in die Zeile der hier schweigenden Gesangsstimme "zur beliebigen Abwechslung" eine Figuration über die Hymnenmelodie eingetragen. – Titel mit alter Numerierung in der rechten unteren Ecke, Titel, Falz und Ränder etw. gebräunt und fleckig.

Sole known copy. – One of numerous pieces performed in Vienna around 1814/15 during many concerts for charitable or patriotic purposes on the occasion of the Wars of Liberation. – Title with old numbering at lower right corner, title, fold and margins a little browned and soiled. – Loose, without binding.