532: HANDSCHRIFTEN – ZITHER – "MUSIKALIEN FÜR ZITHER"

(Rückentitel). Deutsche Handschrift mit über 100 Kompositionen für die Zither. Wohl Österreich und/oder Altbayern, um 1855/60. Qu.-8º (16,9 x 26,4 cm). 100, 300 (recte: 100) S., 24 nn. Bl. und zahlr. weiße. Hldr. d. Zt. (Gelenke angebrochen, beschabt und bestoßen). (91)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 550,- €


Interessante Sammlung mit vielen heute kaum mehr bekannten Spielstücken für die Zither aus verschiedenen Genres, darunter Volksstücke, Tanzmusik aus der Überlieferung oder neu komponiert sowie arrangierte Opernmelodien. Gerade unter den vielen kleinen Stücken und Melodien findet sich viel Seltenes, Verlorenes oder Unbekanntes, manches davon sicherlich aus der Volksüberlieferung aufgezeichnet oder Originalkompositionen der Zeit. Viele der Stücke dürften österreichischen Ursprungs sein, darunter "Steyerische Ländler" (mit Titeln wie "Der lustige Schleifer", "Das erste Haus", "Juli Schnee", "Der Achselzucker" oder "Schlosser-Michl"), "Wiener Frücht’le", "Ungarische Polka", "Der schläferige Zuhörer", "Erinnerung an das Alpenleben", "Das Mädl vom Lande", die "Oesterreichische Nationalhymne", "D’ Freiheit auf der Alm. Alpenlied ohne Worte" usw. Unter die Kompositionen genannter Verfasser sind einige von Johann Strauss Sohn aufgenommen worden, darunter ein Arrangement des "Kaiser-Franz-Joseph-I.-Rettungs-Jubel-Marsches", uraufgeführt 1853, der Ländler "Still vergnügt" von Carl Bauer, die "Rosinen Polka" von Joseph Bill, und von Herzog Max in Bayern (der "Zithermaxl") mehrere Polkas. Der Walzer "Quellen der Tanzlust" stammt von Johann Baptist Wimmer, aus einer in München publizierten Sammlung, ebenso das erste Stück in dieser Handschrift, der Walzer "Die Epigonen" (hier ohne Angabe des Autors). In der Mitte und gegen Ende finden sich eine Reihe von Opern-Bearbeitungen, darunter über Meyerbeers "Nordstern" (uraufgeführt 1854), Flotows "Martha" und "Alessandro Stradella" sowie nach Werken von Aubert. Mehrere Stücke stammen von einem Michael Mühlbauer, diese oft mit Angabe einer Opuszahl, darunter eine "Auroa Quadrille im leichten Style", die "Münchner Damen-Polka" und "Erinnerungen an Salzburg. Glockenspiel für Zither", alles Originalkompositionen für das Instrument. Mit Mühlbauers "Potpourri für Zither" "April-Stürme" beginnt der zweite paginierte Teil des Manuskripts. Möglicherweise stammt unsere Handschrift von Mühlbauer selbst oder aus seinem engeren Umkreis; dieser Komponist ist allerdings weitgehend unbekannt geblieben. – Insgesamt ein überaus reichhaltiges Dokument einer Sammlung aus der Zeit des "Zithermaxl" und der Wiederentdeckung der Zither als Volksinstrument in der Mitte des 19. Jahrhunderts. – Auf Velin, durchgehend mit sechs Zeilen von der Schablone gezogenen Notenlinien. – Vor allem anfänglich leicht fleckig.