52: OBERNDORFF-INGELHEIM – SKIZZEN – UND LIEDERBUCH,

angelegt wohl anläßlich der Heirat von Alfred Maria Graf von Oberndorff und Maria Theresia Liboria von Ingelheim. 2 Bde., davon einer auf dem Deckel datiert 1823. 22,5 x 29 und 20 x 26 cm. Mit ca. 30 ganzseit. Bleistiftzeichnungen. 64 Bl. (Liederbuch) und 116 Bl. (Skizzenbuch), am Ende jeweils mit zahlr. weißen Bl. Grünes Ldr. d. Zt., jeweils mit Deckelbordüren sowie Steh – und Innenkantenvg. (leicht beschabt, gering bestoßen). (4)
Schätzpreis: 800,- €
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Ergebnis: 400,- €


Alfred Maria Graf von Oberndorff (1802-1888), bayerisch-königlicher Kämmerer und später Stallmeister, heiratete am 30. 12. 1823 Maria Theresia Liboria von Ingelheim, genannt Echterin von Mespelbrunn (1805-1875). Bald darauf ließ er das Schloß im damals kurpfälzischen Neckarhausen (Rhein-Neckar-Kreis) in klassizistischem Stil umbauen (vgl. zur Biographie das Kapitel "Alfred Jacob Maria Fortunatus Graf von Oberndorff und die Neckarhausener Linie der Familie", in: Ralf Fetzer, Die Grafen von Oberndorff, Edingen-Neckarhausen 2005, S. 175-188).

Bei unseren beiden edel gebundenen Bänden wird es sich wohl um Hochzeitsgeschenke für die Gemahlin handeln, da beide ihren Namen auf dem Deckel tragen ("Oberndorff-Ingelheim" und "Th. Oberndorff-Ingelheim").

Ein Buch benutzte die Jungvermählte als Skizzenbuch. Etwa 20 Zeichnungen, entstanden von Januar bis März 1824, geben wohl Eindrücke von der Hochzeitsreise wieder. Laut der Beschriftungen zeigen sie etwa die Brücke und das Papstschloß in Avignon, Ansichten aus den Gegenden um Nizza und Neapel oder den Tempel der Concordia in Rom. Die späteren, 1826 datierten Zeichnungen zeigen unter anderem Donaustauf, Wolfegg, Haldenwang und Regendorf.

Der andere Band diente als Notenbuch für Gesangsstücke, allesamt durchaus anspruchsvolle Literatur, die wohl Maria Theresia Liboria gelegentlich gesungen hat, die beiden letzten, militärische Stücke, könnten auf die Profession ihres Mannes anspielen. Zu Beginn das Rezitativ der Iphigenie aus "Iphigénie en Aulide" von Christoph Willibald Gluck, "Vous essayez en vain de bannir mes alarmes", das Ende der ersten Szene des zweiten Akts, gefolgt von dem Rezitativ der Klytaimnestra, "Seigneur, j’embrasse vos genoux" aus derselben Oper, die vierte Szene des zweiten Aktes, daran aus Meyerbeers populärer, 1820 in Mailand uraufgeführter Oper "Margherita d’Anjou" die Szene der Isaura "Ah! Sposo adorabile", die Szene 15 aus dem zweiten Akt, hier als "Variationi" bezeichnet; am Ende die seinerzeit beliebte französische Ariette "Je suis le petit tambour de la garde nationale" und die ebenfalls unter militärischer Thematik stehende große Arie "Ah! quel plaisir d’être soldat" aus Boieldieus "Dame blanche", einer Oper, die man in den späten zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts in ganz Europa aufgeführt hat, so daß ihre eingängigen Gesangsstücke zu Gassenhauern geworden sind.

Innengelenke des Liederbuches etw. angebrochen, das Skizzenbuch vereinzelt leicht fleckig, ein Blatt am Bug mit kleinem Einriß.