44: MÜNCHEN – SCHLOSS NYMPHENBURG – "DIE BESCHREIBUNG der samentl. churfürstl. Lustgebäuden zu Nymphenburg."

"Beschreibung des Churfürstlichen Lust-Schlosses Nymphenburg". Zwei deutsche Handschriften auf Papier. Die erste nicht dat. (München, Winter 1788/89), die zweite dat. (München), 1. 2. 1789. Fol. 37; 39 nn. Bl. Fadenbindung der Zeit, ohne Einband. (121)
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Das Schloßinventar von 1789 in zwei Entwurfsfassungen. – Die vorliegenden Handschriften mit dem Inventar des Lustschlosses Nymphenburg aus dem Jahr 1789 dürften beide von der Hand des kurfürstlichen Bauschreibers Alexander Balistier (oder auch Balistrier) stammen, wobei es sich bei der ersten Fassung augenscheinlich um den ersten, mit vielen Korrekturen versehenen Entwurf – also die Urfassung – , bei der zweiten um eine spätere Korrekturfassung mit nur noch wenigen Abänderungen handelt. Die Endfassung des Textes ist der Forschung seit langem bekannt. Sie befindet sich heute im Hauptstaatsarchiv München (Inventarnummer: HR1 200/13, ehemals Kreisarchiv München) und wurde schon in der Bibliographie der Bayerischen Kunstgeschichte von Hermann Sepp verzeichnet (Nachtrag für 1906-10, Straßburg 1912, S. 118). Das Inventar von 1789 ist als Quellenschrift und Dokument der Zeit vor allem deshalb von erheblicher Bedeutung, weil es detailliert Auskunft über Zustand und Ausstattung des Schlosses sowie seiner Parkanlagen im späten 18. Jahrhundert unter der Herrschaft von Kurfürst Karl Theodor gibt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bau- und Ausstattungsmaßnahmen der Barockepoche bereits weitgehend abgeschlossen mit nur geringen Veränderungen und Ergänzungen, wie etwa dem Neubau der Fasanerie unter Karl Theodor. Der dokumentierte Zustand ist somit jener vor den tiefgreifenden Maßnahmen zur Neuausstattung und Bedarfsanpassung, die vor allem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchgeführt worden sind.

Der Verfasser Balistier war ein "Bauschreiber", also ein Verwaltungsbeamter, der dem kurfürstlichen Bauamt unterstellt war und dessen Hauptaufgabe im Baurechnungswesen bestand. Hier wurde ihm jedoch die komplette Inventarisierung und Beschreibung des Schlosses übertragen, eine Aufgabe, die sich auf das Gebäude, seine wandfeste und mobile Ausstattung, Gärten und Parkanlagen sowie die darin befindlichen Lustschlößchen, Wasserspiele und Kanäle, ja selbst die kurfürstliche Porzellanmanufaktur erstreckte. Dies war eine Sonderaufgabe, mit der Balestier nicht vertraut war. Das wird der Grund dafür sein, daß er zunächst die vorliegenden Entwurfsfassungen anfertigte. Wie dem Vorspruch unserer ersten Fassung zu entnehmen ist, war ihm von dem "Churfürstlichen Loblichen Hof-Bau-Amt" aufgetragen worden, die "Churfürstlichen Gebäude, Wasserleitungen, Bronnhäuser, Kuhrn, und Brücken … gleichheitlich nach entworfenem formular zu beschreiben". Es lag also eine Anweisung vor, wie der Bauschreiber vorzugehen hatte. Seinen ersten Text dürfte er dem Bauamt vorgelegt haben; dort werden die Korrekturen, die deutlich sichtbar von anderer Hand stammen, eingetragen worden sein. Darauf erstellte er die zweite Fassung, die bereits den endgültigen Titel trägt, aber wiederum an einigen Stellen von fremder Hand, wohl der eines Baubeamten, korrigiert worden ist. Der Hintergrund der Erstellung des Inventars ist wahrscheinlich in der Abwesenheit des Kurfürsten aus München zu sehen, der 1788 nach einem Streit mit dem Münchner Rat seine Residenz wieder nach Mannheim verlegt hatte. Als Karl Theodor im Sommer des folgenden Jahres nach München zurückkehrte, lag unser Inventar bereits vor.

Über den Bauschreiber Balistier existiert ein Akt im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, betitelt "Bauschreiber in Nymphenburg", datiert 1774; dieser gibt Auskunft über die Unterstellung des Bauschreibers unter das Bauamt, seine Dienst- und Besoldungsverhältnisse, die Tätigkeit Alexander Balistiers als Bauschreibers und "Wachtlhunddresseurs" sowie seinen Sohn Karl Balistier, ferner Unterstützungsgesuche des Onkels Balistier. – Wie uns Herr Dr. Immler vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv freundlicherweise mitgeteilt hat, handelt es sich bei dem Exemplar des Archivs um eine sorgfältige Reinschrift unter demselben Datum, aber ohne Nennung des Verfassers. Diese Reinschrift dürfte die "offizielle" Endfassung darstellen, während die vorliegenden Exemplare der Entwurfsphase angehören.

Deckbl. tls. lose und mit Einrissen; etw. gebräunt und fleckig.

The present manuscripts with the inventory of Nymphenburg Castle from the year 1789 are both likely to be from the hand of the electorial scribe Alexander Balistier (or Balistrier), whereas the first version being obviously the first draft with many corrections – thus the original version, – the second one a later version with corrections with only a few modifications. – Title page partly loose and with tears; a little browned and soiled. – Thread binding of the epoch, without cover.