419: (STEINHÄUSER, J. G.),

Lehrbuch der Arithmetik und Geometrie für Volksschulen. Zeitz, Webel, 1811. Mit 5 Falttabellen und 2 gefalt. Kupfertafeln. X S., 2 Bl., 237 S., 2 Bl. Pp. d. Zt. (Rücken mit 2 hs. Papierschildchen mit Titel und Nummer, tls. etw. geblichen, gering berieben und leicht bestoßen). (2)
Schätzpreis: 600,- €
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Einzige Ausgabe unter diesem Titel. – Kayser III, 510 (reproduziert im GV LXXXVI, 106). Holzmann/Bohatta III, 1204. – Nach Stichproben sowohl textlich wie in den Illustrationen und der Kollation identisch mit den Bogen A-P des ersten Teils des ersten Bandes vom Elementar-Lehrbuch für den Unterricht der Jugend in den nothwendigsten Wissenschaften, von einer Gesellschaft von Gelehrten bearbeitet, das mit diesem Teil I/1 im selben Jahr wie unsere Einzelausgabe erschien; der arithmetische Teil, das heißt die ersten 128 Seiten, höchstwahrscheinlich identisch mit dem Elementar-Lehrbuch, das bereits 1809 herauskam unter dem sehr ähnlichen Serientitel Elementar-Lehrbuch der empyrischen Kenntnisse oder Leitfaden der Erfahrungswissenschaften, die in Schulen zu lehren sind, unter einem Titel, den man nach dem Arithmetikteil für weitere Teile oder Stücke fallen ließ (auch schon für die Fortsetzung des Rechenbuches mit dem Geometrieteil auf den Seiten [129]-237). C. F. Widemann verzeichnet in seinem Artikel über Steinhäuser im Neuen Nekrolog der Deutschen (Jg. III/2 für 1825, erschienen 1827, S. 1196-1197) das Werk nur mit der frühen Jahreszahl 1809, ebenso Poggendorff (II, 995); beide führen das vollständige Lehrbuch aus dem Jahr 1811 nicht an.

Sehr wahrscheinlich ist, daß auf Grund der Gleichheit der beiden vollständigen Drucke, des Teils I/1 des Elementar-Lehrbuches von 1811 und unseres Lehrbuches, Drucke, die wir verglichen haben, und wohl auch der anzunehmenden Übereinstimmung des 128seitigen Teildruckes von 1809 mit dem korrespondierenden Teil des Lehrbuches, ohne daß wir sie durch Prüfung haben feststellen können, vom Haupttext insgesamt nur ein einziger Druck des Buches erfolgt ist. Begonnen hat er mit dem Druck der ersten Bogen A bis H, der 1809 unter dem später verworfenen Serientitel erschien. Dann kam die vollständige Ausgabe des Rechenbuches mit Arithmetik und Geometrie unter dem geänderten Serientitel 1811 heraus; der Arithmetikteil ist dabei sozusagen die Titel"ausgabe" der alten Bogen A-H geworden. Schließlich erschien unsere Einzelausgabe noch mit eigenem Titelblatt und einem Titel, der nur im vorliegenden Druck existiert. Dessen Bogennorm "Element. Lehrb. I" belegt, daß dieser Druck die Titelausgabe des Elementar-Lehrbuches von 1811 ist. (Als Elementar-Lehrbuch im Druck von 1811 enthält das Rechenbuch noch eine Widmung an den Oberhofprediger Franz Volkmar Reinhard und eine Vorrede zum Plan aller Bände des "Elementar-Lehrbuches für den Unterricht der Jugend in den nothwendigsten Wissenschaften".)

Verfaßt hat das Rechenlehrbuch Johann Gottfried Steinhäuser (1768-1825), aus Plauen gebürtig, ein gelernter Jurist, der sich aber schon seit seinen Knabenjahren mit vielen Bereichen der Naturwissenschaften eingehend überwiegend autodidaktisch beschäftigt und später dann auch an der Freiberger Bergakademie eine Zeitlang die Montanwissenschaften studiert hat. Nach beruflichen Wanderjahren, in denen er sich einen guten Ruf als Bergbaukundler erwarb, bekam er 1806 an der Universität Wittenberg die Professur für Mathematik, 1816 die für Bergwissenschaften in Halle. 1799/1800 korrespondierte Goethe mit dem Bergbauspezialisten Steinhäuser über erdmagnetische Fragen (vgl. dazu: Jutta Eckle, ‘Ganz neue Ansichten dieses philosophischen Steines’ – Goethes Briefwechsel mit Johann Gottfried Steinhäuser über Magnetismus, im Goethe-Jahrbuch CXX, 2006, S. [218]-246). Heute ist Steinhäuser, der "Plauische Leibniz", wie man den gelehrten Montanisten und Mathematiker in der Literatur gelegentlich ehrenvoll genannt findet, nahezu vergessen. In den wenigen Einträgen für das Rechenbuch unter dem Titel Elementar-Lehrbuch …, die sich über den KVK derzeit [Februar 2020] finden lassen, ist Steinhäuser als Autor nicht ermittelt; unter dem Titel Lehrbuch … ist das Rechenbuch im weltweiten Katalog gar nicht verzeichnet (und damit die Wiederauffindung des Buches ein kleiner Baustein zur Vervollständigung von Steinhäusers Personalbibliographie). – Fliegender Vorsatz mit altem Besitzvermerk, sehr gleichmäßig leicht gebräunt, nahezu fleckenfrei.