416: EINBLATTDRUCKE – "A O. [ALPHA OMEGA].

Elementa philosophiae fundamentalis et rationalis; sive introductio in veram physicam naturaliter amplectens ideam simplicissimam de creatione totius universi in genere ..." Einblattdruck (Kupferstich) mit vier Schriftkartuschen, gerahmt von vegetabiler Ornamentik. O. O., Dr. und J. (vielleicht England, um 1780). 23,3 x 37,3 cm; Blattgr.: 27,5 x 42,4 cm. (200)
Schätzpreis: 800,- €
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Die ganze Welt auf einem Blatt. – Ein von uns nicht nachweisbarer Druck, dessen Text so klingt, als läge hier das Titelblatt eines Werkes vor, das in vier Abteilungen gewissermaßen sämtliche Erkenntnisse philosophischer, religiöser und mathematisch-naturwissenschaftlicher Art abzuhandeln vorgibt. Schon die wie ein Motto an den Anfang gesetzten griechischen Buchstaben Alpha und Omega machen diese Absicht deutlich. Ein derartiges Werk ist freilich niemals gedruckt worden, weshalb das vorliegende Blatt wohl als eine Art "universelles Thesenblatt" zu verstehen ist, das in einem einzigen Schema versucht, das Zusammenspiel aller Wissensgebiete zu einem hypothetischen Ganzen zu bringen. Wie die Schrift und die Ornamentik zeigen, dürfte der Stich im späten 18. Jahrhundert entstanden sein, also zu einer Zeit, in der das universelle Weltbild der Barockzeit bereits im Zerfall begriffen war. Der unbekannte Autor unseres Blattes versuchte dem offensichtlich entgegenzusteuern, indem er die spirituelle, philosophische und naturwissenschaftliche Erkenntnis als eine Gesamtheit, nicht zuletzt auch graphisch, verbunden durch blühende Ranken, darzustellen und zu visualisieren versuchte. Allerdings blieb es offensichtlich bei diesen hochtrabenden lateinischen Satzgirlanden, die sich durch die vier Kartuschen hindurchziehen.

Den möglichen Autor verrät vielleicht das Motto am Ende: "A deo principium, in deum finis erit". Dieser Sinnspruch ist für den schwedischen Alchemisten und Forschungsreisenden August Nordenskiöld (1754 in Finnland geboren, gestorben 1792 in Sierra Leone) nachweisbar. Nordenskiöld, ein Anhänger der Lehre von Swedenborg, wurde von König Gustav III. unterstützt, unter anderem auch bei der Suche nach dem Stein der Weisen. Als er 1789 nach London ging, verfaßte er einige programmatisch-philosophische Schriften, darunter "A plain system of alchemy". Im Zusammenhang dieser Abhandlung könnte auch der vorliegende Kupferstich entstanden sein, gewissermaßen als Kurzfassung seines universellen Gedankengebäudes. – Auf Büttenpapier mit dem Wasserzeichen einer Krone, darunter die Buchstaben "CR". – Minimal gebräunt.