4: GYNÄKOLOGIE – LEHRBUCH ZUR FRAUENHEILKUNDE.

Deutsche und lateinische Handschrift auf Papier. Nicht dat. Deutschland, Anfang 17. Jhdt. und um 1656. Fol. 176 Bl. (davon ca. 70 weiße). Blindgepr. Schweinshalbldr. d. Zt. mit Bindebändern (Bezug mit Fehlstellen, fleckig und beschabt). (41)
Schätzpreis: 3.000,- €
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Ergebnis: 1.500,- €


Umfangreiche medizinische Handschrift, vor allem zur Frauenheilkunde, wohl zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Die ursprünglichen Einträge, mit deutschen, lateinischen und einzelnen griechischen Überschriften in Grün, sind in einer breiten Kurrentschrift sauber geschrieben. Zwischen den einzelnen Kapiteln blieben meist einige Blätter weiß, wohl für spätere Nachträge. Die lateinischen und deutschen Rezepte sind weitgehend inhaltlich geordnet. So werden am Beginn etwa die Feststellung der Unfruchtbarkeit, Kinderwunsch und Monatsbeschwerden, dann die Schwangerschaft und Geburt und schließlich einige Kinderkrankheiten behandelt. Dieser Grundbestand an Texten wurde wohl bereits vom Schreiber oder ersten Besitzer der Handschrift mit Zusätzen versehen und noch bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts ergänzt. So findet sich ein lateinischer Eintrag mit dem Bericht über eine Geburt der Gemahlin des Herrn von Bünau auf Radeburg (heute im Landkreis Meißen) im Jahr 1601 im Monat Februar (fol. 94r); öfter finden sich Vermerke wie "… habe ich oft probiert, undt gut befunden".

Ein zweiter Besitzer, zu erkennen an seiner etwas zierlicheren Kurrentschrift, hinterließ ebenfalls zahlreiche Zusätze in dem Manuskript. Er überliefert uns auch den Namen des Schreibers in seiner etwas kritischen Bemerkung, die sich auf den ersten Eintrag mit der Überschrift "Ad Faciem" bezieht: "H. Dr. Pörer machet einen Titul uber dieses Buch als solten hierinnen Arzneyen vorgeschrieben werden, schwangere Weiber in allerhandt schweren Krankheitten welches auch etwas ist, macht aber dem Anfang wie das Angesicht soll schön und sauber gemacht werden, daraus zu verspüren, das H. D. Pörern das Gesichte beßer gefallen den(n) der Bauch" (fol. 1r). Viele weitere Einträge von seiner Hand beziehen sich auf die praktische Anwendung der Mittel, davon einer sogar mit Datumsangabe: "Anno 1656 den 29 Januarij habe ich eine Frau in der Cur gehabt, …" Die Bemerkung "Nota, in Cöln habe ich einer Frauen das Ungentium fuseum mit etlichen Tropfen Oleum Juniper, verortnet …" (fol. 96r) läßt wohl darauf schließen, daß es sich um einen fahrenden Arzt oder Bader handelte. Neben Kräutern und Salben kennt er auch magische Mittel. So kann man ein Muttermal etwa so vertreiben: "wann ein Kindt stirbt so gleiches Alters, nim des toden Kindes Finger undt streich das Kindes Mahl 3 Mahl damit herunderwerz, es wirt das Mahl alle sachte vergehen" (fol. 143v). – Auf diesen zweiten Besitzer geht auch der Nachtrag "Allerhant Medicamenta aus unterschiedenen Autorib(us)" (fol. 167v – 171r) und das Inhaltsverzeichnis (fol. 173v – 174r) zurück. – Stellenw. etw. wasserrandig und fleckig, papierbedingt gebräunt.

Manuscript on paper in German and Latin. Undated, Germany, early 17th century and around 1656. 176 leaves (approx. 70 blanks) – Extensive medical manuscript, especially on gynaecology, probably compiled from various sources at the beginning of the 17th century. The original entries, with German, Latin and individual Greek headings in green, are neatly written in a broad Kurrent script. Between the chapters, some leaves were left blank, probably for later additions. This basic set of texts was supplemented with additions until the second half of the 17th century, many of which probably go back to the scribe or first owner of the manuscript. – A second owner, recognisable by his somewhat more delicate cursive script, also left numerous additions in the manuscript. He also passed on the name of the scribe, "Dr. Pörer". – Somewhat waterstained and soiled, tanned. – Contemporary, blind tooled pig skin with tie straps (damaged, soiled and scuffed).