378: BAROCKE MEDIZIN – SAINT-YVES, CH. DE,

Tractat von denen Kranckheiten der Augen, in welchem die dazu dienliche Hülfs-Mittel wie auch die chirurgischen Operationes so zu derselben Genesung erforderlich sind, gründlich gezeiget werden. Aus dem Frantzösischen ins Deutsche übers. von J. A. Mischel. Berlin, Rüdiger, (1730). 8 Bl., 350 S., 10 Bl. Pp. d. Zt. (stärker beschabt und bestoßen). (19)
Schätzpreis: 1.200,- €
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Einzige deutsche Ausgabe. – Hirschberg 339, 39. VD 18 vorläufig [Juli 2020] 14541424-001. Hirsch/Hübotter IV, 952: "Er [Charles de Saint-Yves; 1667-1733] machte um 1707 die erste Staaroperation mittelst Extraction." – Vgl. Waller 8406 und Garrison/Morton 5827 (EA 1722). – "A comprehensive work, it includes early descriptions of occlusion therapy for strabismus, silver nitrate therapy for eye diseases, pupil formation in secondary cataract, conjunctivitis angularis, zoster ophthalmicus, and retinal detachment" (Eimas 732). – Hauptwerk des französischen Okulisten, das sehr geschätzt war und daher in mehrere europäische Sprachen übersetzt worden ist, ins Deutsche aber nur einmal (die von Hirschberg angeführte deutsche Übersetzung von 1744 existiert nicht, sondern ist eine englische Ausgabe).

Nachgebunden sind drei weitere Schriften der barocken Medizin; in der Reihenfolge der Bindung: SCHATZ DER GESUNDHEIT UND DES LEBENS, oder: Wohlgemeinte Vorschläge, wie man unter göttlichem Segen, kraft einiger bewährter und zuverlässiger, guten Theils Stahlischer Artzeney-Mittel, sich (1) lange bey Gesundheit erhalten: (2) von allerhand, auch schweren Kranckheiten, bald, sicher und glücklich befreyen: oder (3) bey unwiederbringlich-völliger Gesundheit stärcken und lange erhalten könne. O. O. und Dr., 1730. 20 Bl., 120 S., 8 Bl. – VD 18 11391731. – Zweite Ausgabe, mit der ersten aus dem Jahr zuvor kollationsgleich, jedoch keine Titelausgabe, sondern, nach Stichproben, neu gesetzt (zumindest teilweise): die Zierstücke sind verändert, gelegentlich auch der Zeilenfall und einzelne Wörter in der Schreibung. – Gedrängte Zusammenstellung von Arzneimitteln, um Krankheiten vorzubeugen oder zu heilen oder zu lindern und ihr Fortschreiten zu verzögern, nach den Lehren des berühmten Alchemisten, Metallurgen, Hof – und Leibarztes und Professors der Medizin, Georg Ernst Stahl (1659-1734). Unter vielem anderen mit einem "Pulvis Vitalis Bezoardicus" bei "Seuchen, so mehrentheils epidemice grassiren" (S. 107-114).

SALOMON, J. A., Gründliche Untersuchung, der wahren Beschaffenheit eines tüchtigen Artzney-Mittels, so unter dem Nahmen der so genandten Universal-Medicin bekandt, durch dessen Krafft und Würckung der menschliche Cörper nicht allein gereiniget, und dessen Gesundheit restituiret, sondern auch die Activität desselben Natur wieder hergestellet werden könne, hergenommen aus den Grund-Sätzen der Natur-Kündigung. Danzig, Müller, 1730. 112 S. – Einzige Ausgabe. – VD 18 12224448. – Johann Andreas Salomon (1675-1746) aus Konitz wurde 1711 von Georg Ernst Stahl zum Doktor der Medizin promoviert mit einer Arbeit aus der Säftelehre, De decubitu humorum. Dieser Lehre verpflichtet ist auch die Abhandlung über den Weg, wie eine Universalarznei gefunden werden könne. – Von größter Seltenheit, in öffentlichem Besitz von uns nur in der UB Erlangen nachweisbar.

ERKLÄRUNG DES VON J(URIS)C(ONSUL)TIS UND MEDICIS SO GENANNTEN POCULI ABORTIVI, worinnen die Frage zugleich erörtert wird: Ob innerliche Mittel, insonderheit aber ob Aloe und Aloetische Balsamische Artzeney-Mittel die Krafft haben, eine Frucht vor der rechten Geburths-Zeit aus Mutterleibe abzutreiben? Frankfurt und Leipzig, o. Dr., 1728. 32 S. – Einzige Ausgabe. – VD 18 11479337. – Über den weltweiten Katalog nur wenige Exemplare in öffentlichem Besitz nachweisbar.

Alle Schriften gebräunt, am Fußsteg stellenweise gering wasserfleckig. – Vorderer Vorsatz recto mit Aufführung der vier Titel des Bandes von alter Hand in Tinte, hs. darunter der Vermerk: "Aus der Bibliothek meines Urgroßvaters E[rnst] A[ugust] L[udwig] Bloedau [1764-1841], Doctoris medicinae zu Heringen", verso der hs. Besitzvermerk des Urenkels, Ludwig Gertung, dat. Heringen 1901.

Sammelband mit vier Schriften aus dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts, die einen sehr guten Eindruck von der Bandbreite der barocken Medizin vermitteln: die Humoraltherapie ist noch sehr vital in den Vorstellungen vom Körper und seinen Krankheiten, die Iatrochemie nimmt breiten Raum in der Medikation ein, die Autoritäten werden genannt, doch folgt man ihnen nicht mehr blind, sondern setzt mehr und mehr auf eine auch aus der eigenen Erfahrung gespeiste Heilkunde. Wie eifrig noch immer die Suche nach einer Panazee ist, um Alter, Krankheit und Tod aus dem Leben zu vertreiben, der uralte, bis heute unerfüllte Traum der Menschheit, der vor allem die Alchemisten bei ihrem Experimentieren antrieb, zeigt insbesondere die Abhandlung Salomons, und dies in übrigens meisterlicher barocker Fachprosa.