36: KÖNIGLICHE REALSCHULE BERLIN – "SPECIMINA".

Schulheft der dritten lateinischen Klasse. Dat. Berlin, Wintersemester 1763. 4º. 76 Bl. Hldr. d. Zt. (Altersspuren). (8)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 500,- €


Saubere Reinschriften lateinischer Aufsätze und Übersetzungen der Schüler der dritten lateinischen Klasse. – Als eine der ersten Realinstitute in Deutschland war die Königliche Realschule zu Berlin 1747 durch Johann Julius Hecker (1707-1768), Prediger und Schüler von August Hermann Francke, begründet worden. – Die Schüler entstammen Bürgertum und Landadel. Später wirkten sie meist, soweit von uns zu ermitteln, im Militär, als Staatsbeamte und Gutsbesitzer. Am Beginn sind die Namen aller 17 "civium classis" aufgeführt, darunter Ludwig Helmuth Heinrich von Jasmund (1748-1825), Adolph Friedrich von Oertzen (1747-1796), Johann Hieronymus Troschel (1748-1768), Ernst Ludwig Friedrich von Wedel (1747-1812), Gustav von Larisch (um 1745-1810), Carl Friedrich Balthasar von Rohr (1750-1813) und Christoph Johann Friedrich Otto von Ziethen (1747-1817), der spätere Kommandant von Königsberg. – Am Beginn sind ein deutscher Text zur "Gerechtigkeit bei den Türken" und dazu 13 lateinische Versionen eingetragen. Es folgen sieben lateinische Aufsätze zu verschiedenen Themen, etwa zum Ackerbau zur Römerzeit, zur Übersetzung klassischer Autoren oder zur Bedeutung des Bartes bei den Arabern. Den Abschluß bilden Übersetzungen aus den "Epistulae ad familiares" von Cicero ins Deutsche. Nahezu immer sind die einzelnen Beiträge mit Namen unterzeichnet. Allein Johann Hieronymus Troschel setzte selbstbewußt hinzu "Berolinensis, aetatis XV". – Innengelenke angebrochen, gering fleckig.