34: "SONATA I (II, III)."

(Kopftitel). Musikhandschrift auf festem Bütten. Nicht dat. (wohl um 1775/80). Fol. (36,5 x 26,4 cm). 18 nn. Bl. (das erste weiß). Fadenbindung d. Zt. mit Resten eines Buntpapier-Heftstreifens. (135)
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Eine Sammlung dreier höchst interessanter Klavier – oder Cembalo-Sonaten von beachtlicher musikalischer Qualität, die wir trotz intensiver Suche nicht bestimmen konnten, von denen wir demnach annehmen, daß sie unveröffentlicht, vielleicht sogar gänzlich unbekannt geblieben sind. Die jeweils dreisätzigen Sonaten stehen in C-Dur, Es-Dur und D-Dur und sind gekennzeichnet von der häufigen Verwendung gebrochener Akkorde, Arpeggios, Skalenläufen, Alberti-Bässen und vielen Auszierungen, also Stilmitteln der mittleren zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. An manchen Stellen zeigt sich auch eine gewisse kontrapunktische Dichte und Chromatik, dazu kommen Vortragsanweisungen, die durchaus differenziert sind ("Allegrissimo", "rallentando" und sehr häufig "ten[uto]" über einzelnen Noten). All das läßt auf einen erfahrenen, handwerklich versierten und auch innovativen Meister schließen, vielleicht einen virtuosen Pianisten, der für den eigenen Bedarf geschrieben hat.

Die große Besonderheit dieser Stücke ist der Schlußsatz der letzten Sonate in D-Dur, eine sieben Variationen umfassende, "Romance" betitelte Folge über "Ah! vous dirai-je maman", das bekannte Thema, das auch Mozart mit einer Variationsreihe bedacht hat. Die Verwendung des Themas im Schlußsatz dieser Sonate ist jedoch noch wesentlich enger am französischen Original orientiert als das Thema von Mozarts Variationen. Die erste Veröffentlichung der Melodie mit diesem Text erfolgte in einem "Recueil de romances" im Jahre 1774, worauf sich allein schon der Titel des vorliegenden Schlußsatzes beziehen dürfte. Zudem gibt es eine engere Übereinstimmung der Tonfolge als in späteren Fassungen, denn das fünfte und das sechste Viertel des Themas sind hier noch in einer beinahe übereinstimmenden Figuration von vier Achteln gesetzt. Es kann also davon ausgegangen werden, daß unsere Variationsreihe – und die Sonaten insgesamt – bald nach 1774 komponiert wurden, während Mozarts Werk erst 1781 entstanden ist. Bei unserer Handschrift handelt es sich um eine saubere und klare Kopistenabschrift auf einem für Aufführungszwecke gut geeigneten festen Papier, das das Wasserzeichen: "D & C Blauw" enthält (erfaßt im Forschungsprojekt "Hofmusik in Dresden" und verzeichnet mit der Wasserzeichen-ID W-Dl-945, wohl Niederlande, um 1760). – Letztes Bl. gelockert, leicht gebräunt, wenig fleckig.