3130: BLOCKBÜCHER – APOKALYPSE –

Blatt zehn mit der Eröffnung des siebten Siegels aus der vierten Blockbuch-Ausgabe der Johannes-Apokalypse. Altkolor. Holzschnitt auf Papier (Reiberdruck). Wohl Deutschland, um 1465. 25,2 x 19,6 cm (Blattgr.: 25,7 x 19,6 cm). (273)
Schätzpreis: 32.000,- €
Ergebnis: 34.000,- €


Schreiber, Manuel, IV, S. 178 (Ed. IV, 10). – Ein Blatt aus der Blockbuch-Apokalypse der vierten Ausgabe, exzellent erhalten und in dem kräftigen zeittypischen Kolorit des späten Mittelalters mit der kompletten Darstellung in zwei Bildfeldern übereinander, einschließlich der Einfassungslinie. – Blockbücher, deren Entstehungsgeschichte noch in die Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern in das frühe 15. Jahrhundert zurückgeht, dienten der bildlichen Veranschaulichung religiöser und moralischer Texte am Ausgang des Mittelalters. In der Entwicklung des Buchdruckes als des kommenden Massenmediums der Neuzeit haben sie eine bedeutende Rolle gespielt. Offenbar war der Bedarf nach reproduzierbaren illustrierten Texten seinerzeit bereits sehr hoch, denn die Erfindung traf auf fruchtbaren Boden. Mittels des Holzschnitts konnten nun Bilder und Texte von Handschriften, die als Vorlage dienten, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Bekannt geworden sind 33 Werke in über 100 Ausgaben. Insbesondere die Apokalypse wurde in einer ganzen Reihe verschiedener Ausgaben und Fassungen als Blockbuch produziert.

Das vorliegende Blatt mit dem Anfang des achten Kapitels, wo von der Eröffnung des siebten Siegels und der Verteilung der Posaunen an die Engel berichtet wird, stammt aus einem xylographischen Blockbuch, das heißt, Bilder und Texte sind aus einem gemeinsamen festen Druckstock geschnitten. Die Apokalypse bildet eine besonders große und wichtige Gattung unter den Blockbüchern des Spätmittelalters; unser Blatt gehört nach Schreiber zur zweiten Gruppe und der vierten nachweisbaren Ausgabe (Schreiber, S. 164-165). Von dieser Ausgabe, die sich durch Bogensignaturen auszeichnet (auf unserem Blatt mit "E" in der oberen rechten Bildecke angegeben), sind mehrere komplette Exemplare erhalten, unter anderem in der Sammlung Este in Modena. Eine vollständige Reproduktion und Analyse davon ist 1974 in Genf und Parma erschienen (Apokalypse. Eine Holzschnittfolge der Sammlung Este, hrsg. von Sergio Samek Ludovici, hier: S. 112-113). Die Ausgabe hat einen Umfang von 48 Blättern mit insgesamt 96 Szenen. Die Druckfarbe ist Schwarz; auf Grund des stark durchschlagenden Drucks durch die Technik des Reibers, vor allem bei den Linien der Darstellungen, wurden die Blätter von spätmittelalterlichen Holzschnitt-Blockbüchern in der Regel nur einseitig bedruckt. Die Anordnung der Blätter war in den ersten Ausgaben noch nicht festgelegt. Erst mit der Ausgabe IV, die Bogensignaturen aufweist, entsprach die Ordnung der Blockbücher weitgehend der Textabfolge der Apokalypse. Auf unserem Blatt werden die Verse 1-4 aus dem achten Kapitel der Offenbarung illustriert. Im heutigen Deutsch der Einheitsübersetzung lautet diese Passage so: "Als das Lamm das siebte Siegel öffnete, trat im Himmel Stille ein, etwa eine halbe Stunde lang. Und ich sah: Sieben Engel standen vor Gott; ihnen wurden sieben Posaunen gegeben. Und ein anderer Engel kam und trat mit einer goldenen Räucherpfanne an den Altar; ihm wurde viel Weihrauch gegeben, den er auf dem goldenen Altar vor dem Thron verbrennen sollte, um so die Gebete aller Heiligen vor Gott zu bringen. Aus der Hand des Engels stieg der Weihrauch mit den Gebeten der Heiligen zu Gott empor."

Etwa in der Mitte des Blattes ist ein Wasserzeichen erkennbar (Höhe ca. 59 mm, maximale Breite ca. 34 mm, Abstand der Bindedrähte 39 mm), ein Ochsenkopf mit einkonturiger Stange, am Ende ein sechsstrahliger Stern mit geraden Enden, verzeichnet bei Piccard unter der Nummer 77030, dort datiert Basel 1462. Ein solches Wasserzeichen ist auch in einem Digitalisat der Apokalypse der Bayerischen Staatsbibliothek München dokumentiert. Es stützt die Datierung der Ausgabe um etwa 1465 und die Entstehung im Raum Oberrhein oder Main.

Das Kolorit stammt aus der Entstehungszeit, zumal die bekannten Exemplare und Blätter aus der vierten Ausgabe immer altkoloriert sind. Es ist etwas differenzierter und farbenreicher, vor allem durch das für die Engelflügel verwendete Grün, als dasjenige des Exemplars in Modena, allerdings, auch sehr typisch für das zeitübliche Kolorit, nicht sehr genau, zuweilen sogar Details des Holzschnitts ignorierend, wenn etwa der unter dem Gewand hervorkommende Fuß des Engels, der die Posaunen verteilt, einfach mit Erdfarben übermalt wird oder die Finger der Hand in der ockergelben Farbe des Buches, das Gottvater in der Rechten hält, mitübermalt werden. Der Gesamteindruck gerät dadurch etwas prächtiger als das Vergleichsbeispiel von Modena, und im Detail ist die Farbverwendung bei uns freier. Hinzu kommt noch die Betonung einiger Konturen und Schattierungen in schwarzer Tinte, insbesondere bei den eigentlich weißen Gewändern der Engel, wie sie auch das entsprechende Blatt in Modena zeigt. Die Besonderheit unseres Blattes liegt in der Hervorhebung der Haare und des Bartes von Gottvater durch kräftige schwarze Tinte, die die Holzschnitt-Konturen hier fast völlig überdeckt. Solches kommt bei anderen Blättern in Modena auch vor, entspricht also ganz der Art der Zeit.

Bis an die Umfassungslinie beschnitten, minimal gebräunt und kaum fleckig, sonst von einwandfreier Erhaltung.

Blockbooks. – Apocalypse. – Folio 10 from the fourth blockbook edition of the Apocalypse of St. John, depicting the opening of the seventh seal. Woodcut on paper (rubbing print) with contemporary colouring. Possibly Germany, around 1465. 25,2 x 19,6 cm (sheet size: 25,7 x 19,6 cm). – Schreiber IV, 10 (page 178). – Excellently preserved leaf from the fourth xylographic edition of the Apocalypse in strong and typical colouring of the Late Middle Ages. Complete two-part illustration with borderline. Our leaf with the beginning of the eighth chapter, addressing the opening of the seven seals and the distribution of the trumpets to the angels. – Trimmed up to the borderline, minimally tanned and barely soiled, otherwise in perfect condition.