3110: MEMENTO MORI –

"Spiegel Der wahrheidt". Titel und 7 Kupferstiche. Nicht sign., num. und dat. (um 1630). Leicht unterschiedliche Formate (ca. 9 x 6 bis 11 x 7,5 cm; Blattgr.: 18,5 x 14,5 cm). – Ohne Einband. (104)
Schätzpreis: 3.000,- €


Mahnblätter, die von uns weder in der Literatur noch unter dem Titel oder Zitaten aus den Bildtexten via Internetrecherche nachweisbar sind. Hinweisen können wir nur auf zwei motivisch und textlich verwandte Arbeiten. Der Tod als Armbrustschütze auf dem vierten Bild unserer Folge ist in ä h n l i c h e r Form auf einem Einblattdruck des Kölner Kupferstechers Gerhard Altzenbach aus dem zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts zu finden ("Fleuch wa du Wilt, Des todtes bild, Stätz auff dich Zielt"; aufbewahrt in der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, Inventarnummer HB 15029, Kapsel 1336a); das fünfte Bild gibt es gleichfalls nur in ä h n l i c h e r Form unter dem Titel "Stipendium peccati MORS" in den Iconographic Collections der Wellcome Library, wo es Gerhard Altzenbach zugeschrieben wird. In welcher Beziehung Altzenbach und unser Spiegel der Wahrheit stehen, können wir hier nicht aufklären, die Frage muß weiterer Forschung vorbehalten bleiben.

Der 8 Blätter umfassende Spiegel war ursprünglich Teil eines Sammelbandes und besteht aus einer noch immer zusammenhängenden Lage. Das Titelkupfer ist von 2 Platten gedruckt, einer größeren mit dem Titel und einem sechszeiligen Gedicht auf einem Schriftband und einer kleineren mit einem Sargdeckel, der auf den dritten Stich der vorliegenden Folge vorausweist, auf ein menschliches Skelett in einem geöffneten Sarg. Das Gedicht, das auf dem Spruchband steht, lädt ein zu täglich dreimaliger Meditatio mortis: "Hie under disem fürhang steht, / dein recht warhaftes Conterfet. / Ziech ihn hinweckh, sieh dich wol an, / der spiegel dich vill lehren kan. / schau täglich nur drey mal darein, / so wirst alzeit ohn mackel sein." Die auf den Titel folgenden 7 Kupferstiche führen dem Betrachter den Tod eindrücklich in ganz unterschiedlichen Darstellungen vor Augen und sind im Bild wie in den beigefügten, meist in gebundener Sprache verfaßten Texten Mahnungen, das eigene Ende zu bedenken und den Tod als ständigen Begleiter in sein Leben aufzunehmen.

Titel mit alt hinterlegtem Einriß am Bundsteg, die rechten oberen Ecken mit minimalen Knickspuren, letztes Blatt am rechten weißen Rand mit kleiner dünnwandiger Stelle, breite weiße Ränder tls. leicht fleckig und gebräunt. – Aus der Sammlung des Heimatpflegers Hans Roth (1938-2016).

Possibly unknown series. – Title and 7 copper engravings. Not signed, numbered or dated (around 1630). – We were not able to trace these memento mori sheets in literature or through internet research, same applies to the quotes and texts on the images. – The 8 sheets were once part of a omnibus volume, and still consist of a contiguous layer. The title was printed on two copper plates, the bigger one with the title and a six-verse poem on a scroll, the smaller one with the coffin lid. The following 7 copper engravings impressively illustrate death to the viewer and are, in the picture as well as in the accompanying texts, mostly written in bound language, a reminder to consider one’s own end and to accept death as a constant companion in one’s life. – Title with backed tear at inner margin, the upper right corners with small crease marks, last leaf with thinned spot on the right white margin, white margins partially slightly soiled and tanned. – Unbound. – From the collection of Hans Roth (1938-2019).