3037: TAMM, FRANZ WERNER VON

(Hamburg 1658-1724 Wien; Zuschreibung), Truthahn in einer Parklandschaft. Öl auf Leinwand, wachsdubliert. Nicht sign., bezeichnet und dat. (um 1710). 109 x 148 cm. – Teilvg. Rahmen. (45)
Schätzpreis: 6.000,- €
Nachverkaufspreis: 4.000,- €

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Großes, querformatig angelegtes Gemälde mit Hausgeflügel in einer eleganten Parklandschaft. Die rechte Bildhälfte dominiert ein großer Truthahn in prächtigem Gefieder, der vor einer Voliere steht. Über diesem fliegen zwei heimische Vögel, eine Taube und eine Schwalbe, ein Sperling ist hinter dem zarten Gitter der Voliere zu erblicken. Der Blick wird durch eine bühnenartige, helle Erdfläche, die nach rechts von bildhohen Akanthus – und Mohnpflanzen abgeschlossen wird, auf den Vogel gelenkt. Das für uns heute so bekannte Tier war für die damaligen Betrachter noch ein recht exotischer Anblick. Die indianische Urbevölkerung hatte Truthühner schon lange vor der europäischen Entdeckung Amerikas domestiziert. Erste Einzelexemplare gelangten wohl vor allem durch Hernán Cortés (1485-1547) Anfang des 16. Jahrhunderts nach Europa. Eine eigentliche Ansiedlung der Vögel erfolgte aber erst Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, also genau in der Zeit, in der unser Gemälde entstand. Durch die feine Wiedergabe des auffälligen und ungewöhnlich hellen Gefieders wirkt es fast wie das Porträt eines ganz bestimmten Exemplars, das der vornehme Auftraggeber oder Besitzer besaß. Auf einen solchen läßt neben der Voliere auch der Park im linken Hintergrund schließen. Hier tummelt sich weiteres Hausgeflügel vor der Fontäne eines eleganten Neptunbrunnens. Hinter dem Bassin folgen Spaliere mit Laubbäumen, die auf eine Parkanlage nach französischem Vorbild und damit auf einen Adeligen schließen lassen. Auch das große Format des äußerst dekorativen Gemäldes untermauert diese Vermutung.

Hinsichtlich Motiv, Komposition und Ausführung kommt als Künstler der aus Hamburg stammende Franz Werner von Tamm in Frage. Nach seiner Ausbildung in Hamburg reiste Tamm nach Rom, wo er enge Kontakte zu den Malerkollegen Pieter (1657-1720) und Jan Frans van Bloemen (1662-1749) pflegte. Größeren Einfluß auf sein Werk hatten allerdings die Niederländer Jan Weenix (1642-1719) und Melchior de Hondecoeter (1636-1695). Tamms Werke kennzeichnen eine hohe dekorative Wirkung bei einer kühlen Buntfarbigkeit. Beide Merkmale können auch auf dem vorliegenden Gemälde festgestellt werden. Große Verwandtschaft weist unser Bild mit dem Gemälde "Hausgeflügel und Kaninchen" auf, um 1706 entstanden, das sich im Belvedere in Wien befindet. Vor allem die Wiedergabe der zu den Enden hin etwas zerfledderten Schwanzfedern, der Glanz auf der roten Haut des Nasenlappens und auf dem hellen Gefieder der Brust wie auch die Scheckung der Federn von Taube hier und Huhn rücken das vorliegende Werk in enge Nähe zum Wiener Gemälde. – Dezente Retuschen, Fuge zwischen den zwei Leinwandteilen restauriert, Krakelee.

Turkey in a park landscape. Oil on canvas, relined. Not signed, labelled and dated (around 1710). 109 x 148 cm. – Partly gilt frame. – Large painting in landscape format with domestic poultry in an elegant park landscape. The right half of the picture is dominated by a big turkey with splendid feathers standing in front of an aviary. Two native birds, a pigeon and a swallow are flying over the aviary, a sparrow can be seen behind the grid of the aviary. The eyes are directed to the bird through a light surface closed to the right by high acanthus and poppy plants. The now well known animal was quite an exotic sight for the onlookers at that time. – Regarding subject, composition and execution the artist in question is possibly Franz Werner von Tamm from Hamburg. After his education in Hamburg Tamm went to Rome, where he had close contacts with his fellow painters Pieter (1657-1720) and Jan Frans van Bloemen (1662-1749). However his work was more influenced by the Dutch Jan Weenix (1642-1719) and Melchior de Hondecoeter (1636-1695). Tamm’s works are characterized by a high decorative effect with a cool colorit wealth. Both features can also be found on the present painting. Our painting has a great affinity with the painting "Hausgeflügel und Kaninchen" around 1706 which is in the Belvedere in Vienna. – Subtle touch-ups, the joint between the two canvas parts restored, craquelure.