3026: TAGEBUCH –

Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Deutschland, dat. 14. 11. 1844 – 6. 4. 1846, und Tallinn, 26. 6. 1846. 90 Bl. (davon zahlr. weiße). Kathedraleinband in grünem Kalbleder (etw. beschabt). (203)
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Tagebuch einer jungen Frau aus der Zeit vor ihrer Verlobung, als Braut und als junge Ehefrau eines Hermann Wiedemann. – Die Aufzeichnungen, in unregelmäßigen Abständen in etwas flüchtiger Kurrentschrift, meist in Tinte, teils auch in Bleistift eingetragen, beschäftigen sich vor allem mit ihrer Gefühlswelt. – Aus der Bemerkung "morgen sind es 4 Jahr, daß ich confirmirt wurde" (6. 4. 1846) kann man darauf schließen, daß die Schreiberin einer evangelischen Kirche angehörte. Oft traurig und zweifelnd, ob sie ihren Bräutigam wirklich liebt, sucht sie immer wieder Zuflucht in der Religion: "Sie soll mein Lehrmeister sein, denn einen leichten Sinn hat die Natur mir versagt" (23. 2. 1845). Öfter kommt sie auf ihre Lektüre zu sprechen. Fasziniert ist sie von Romanen wie "Les aventures de John Davis" von Alexandre Dumas und "Thomas Thyrnau" von Henriette von Paalzow. Der letzte Eintrag vom 26. 6. 1846 zeugt schließlich von ihrer Schwangerschaft: "Doch es übersteigt wohl jedes Gefühl des Glückes das des Mutterwerdens." Daß sich nur hier eine Ortsangabe findet, nämlich Reval (heute Tallinn, Estland), spricht wohl für einen vorangegangenen Ortswechsel. – Geringe Altersspuren.