294: EINBLATTDRUCKE – VOLKSMEDIZIN – "FRAISSBRIEF.

So ein Kind, oder ein alter Mensch die Fraiß hat." Typographischer Einblattdruck mit kleinem Holzschnitt. St(r)aßburg, Peter Auer, o. J. (wohl 1. Hälfte 19. Jahrhundert). Ca. 32 x 18,8 cm. (35)
Schätzpreis: 400,- €
Ergebnis: 220,- €


Seltener Fraisenbrief (auch Frais – oder Freisbrief). – Einblattdruck als magisches Mittel der Volksmedizin gegen die Frais, vom althochdeutschen ‘vreislich’ (schmerzhaft, Schrecken bringend) abgeleitet, im oberdeutsch-österreichischen Sprachraum verbreiteter Begriff hauptsächlich für Krankheiten oder Anfälle, die mit Krämpfen einhergehen (vgl. dazu M. Höfler, Deutsches Krankheitsnamen-Buch, München 1899, S. 165). – "Also soll man den Brief über den Kranken Menschen, der die Fraiß hat, dreymal lesen, und nennet den Menschen bey den Namen, wo das N. stehet, und darnach soll man den Brief dem Kranken Menschen auf die Brust legen, bis es sich thut ändern zum Leben oder Sterben." – In der Literatur nachgewiesen ist ein bei Peter Auer in Straßburg gedruckter Fraisenbrief (vgl. zum Beispiel M. Andree-Eysn, Volkskundliches aus dem bayrisch-österreichischen Alpengebiet, Braunschweig 1910, S. 124); unser Exemplar hat im Druckvermerk die fehlerhafte Ortsangabe "Staßburg". – Über den weltweiten Katalog kein Exemplar in öffentlichen Bibliotheken nachweisbar. – Etw. fleckig und mit Faltspuren.