28: FÜRSTENFELD – LOBKOWITZ – "SERENISSIMA & POTENTISSIMA DOMUS BAVARICA deducta & descripta ad Lapides & tabulas Furstenfeldenses."

Lateinische Handschrift auf Papier. Wohl Fürstenfeld, 2. Viertel des 18. Jhdts. Fol. Mit kalligraphiertem Titel. 14 Bl. Umschl. d. Zt. (fleckig). (169)
Schätzpreis: 500,- €
Ergebnis: 300,- €


Aufzeichnungen zur Geschichte von Bayern, Portugal und den Zisterziensern, hauptsächlich wohl auf Juan Caramuel y Lobkowitz (1606-1682) basierend. – Enthalten sind mehrere Texte: Widmung an Kurfürst Maximilian I. von Bayern, datiert Fürstenfeld, 1. 6. 1646 (3 1/4 S.); Bemerkungen zur Frühgeschichte Bayerns bis zur Christianisierung (eine Seite); ein Abschnitt mit der Überschrift "De Bavariae Regibus Ducibusque" (2 S.); eine Abhandlung mit dem Beginn "Est controversia celebris quae Iberorum loquationem sistit examinandam" (2 S.); Bemerkungen, die sich auf die Herrschertabelle am Ende des Manuskriptes beziehen (1 1/4 S.); ein Abschnitt über den hl. Bernhard von Clairvaux und seine sechs Geschwister (1/2 S.); ein Absatz zu Herrschern von Portugal, die sich um den Zisterzienserorden verdient gemacht haben, darunter Alfons Henriquez, der erste König von Portugal und Begründer des Ritterordens vom Flügel des hl. Michael (Ordem de São Miguel de Ala; 1/4 S.); eine Bemerkung über das 1639 erschienene Werk von Juan Caramuel y Lobkowitz mit dem Titel "Philippus Prudens Caroli V. Imp. Filius Lusitaniae, Algarbiae, Indae, Brasiliae legitimus rex demonstratus".

Den Abschluß bildet eine Tabelle mit der Überschrift "Generationes". In zwei bis drei Spalten sind hier die Herrscher von Bayern von einem legendären "Bavarus" bis zu Kurfürst Max Emanuel verzeichnet. Daran schließt sich eine zweispaltige genealogische Tabelle an; sie beginnt mit König Jakob I. von Aragon (1208-1276), der sich in dem Zisterzienserkloster Santa María von Poblet bestatten ließ, und reicht bis Kunigunde von Österreich, die als Gemahlin von Herzog Albrecht IV. von Bayern und Tochter von Eleonore von Portugal ein Bindeglied zwischen dem Haus Wittelsbach und dem Herrscherhaus von Portugal darstellt.

In der Zeit seines mehrmonatigen Aufenthaltes in Fürstenfeld um 1645/46 verfaßte der spanische Zisterzienser Juan Caramuel y Lobkowitz eine Abhandlung zum Kirchenrecht und beschäftigte sich anhand von inschriftlichen Zeugnissen im Kloster mit der Abstammung des Hauses Wittelsbach (siehe ausführlich B. Klemenz, Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld zur Zeit von Abt Martin Dallmayr 1640-1690, Weißenhorn 1997, S. 113-117). Ein Werk mit dem Titel "Serenissima & potentissima Domus Bavarica deducta & descripta ad lapides & tabulas Furstenfeldenses" ist zumindest in einer weiteren Handschrift überliefert; vgl. Kleine Beyträge zur Geschichte baierischer Gelehrten und Literatur (Fortsetzung), in: Zeitschrift für Baiern und die angränzenden Länder, Jg. 2, Bd. 4, Heft 10, S. 100-115, hier S. 112-114). – Minimal fleckig.