24: "ARTZNEY PIECHL".

Deutsche Handschrift auf Papier. Süddeutschland oder Österreich, dat. 1685. 4º. Mit kalligraphiertem Titel, jede Seite gerahmt. 127 num., 13 nn. Bl. Ldr. d. Zt. (Altersspuren). (3)
Schätzpreis: 1.000,- €
Ergebnis: 500,- €


Sehr umfangreiches Arzneibuch, von einer Hand in ordentlicher Kurrentschrift geschrieben. – In drei Teile gegliedert, enthält die Handschrift Heilmittelrezepte für Menschen (Blatt 2 – 103 recto oben), Rinder und anderes Vieh (Blatt 103 recto – 119 recto) sowie Pferde (Blatt 119 verso – 127 recto Mitte). Es folgt ein Inhaltsverzeichnis zum ersten Teil; nach der Überschrift zum zweiten Teil bricht das Inhaltsverzeichnis jedoch ab. Die letzten Blätter enthalten einige spätere Aufzeichnungen, meist zu finanziellen Angelegenheiten, oder Nachträge von Rezepten, von denen das jüngste 1859 datiert ist. – Mundartliche Besonderheiten, etwa die Verwendung von Doppellauten wie in "Piechl" oder "Biechl" und "Huesten", Ausdrücke wie "speiben" für spucken oder die Bezeichnung "Kranebitt" für Wacholder sprechen für eine Entstehung im süddeutschen oder österreichischen Raum. – Unter den "sehr nuzlich und dienstlich" Rezepten für den Menschen sind circa 150 Krankheiten und Heilmittel aufgeführt, vom "Haubtsiechtum" (Kopfschmerzen) über "Grindt", "Leiß und Nissen", "Wirmbe in Ohrn", "Bluet speiben", "Grimmen oder Darmb Gicht", "Außsezigkheit", "Hinfallendes Siechtum", "Henner Augen" bis hin zu "Geprechen der Scham den Mann und Frauen" oder "Was die Frauen fruchtbar macht". "Für gifftige oder wudtige Hundts Piß" hilft ein magischer Spruch. Mittel gibt es aber auch gegen "Melankholey", "Vergessenheit" oder "Lanckhweil". Unter den einzelnen Überschriften sind meist jeweils eine ganze Reihe von bis zu 40 verschiedenen Rezepten aufgeführt. Die "Tugendt des Aechten Kranebitöhls" wird in elf Punkten gerühmt. Ein Verzeichnis führt fast 70 Kräuter an, die "filerley Nahmen haben". – Auch für das "Rindervieh" und die Pferde sind zahlreiche Arzneien enthalten, darunter mehrere gegen Zauberei. – Innengelenk gebrochen, Bindung am Beginn und Ende tls. gelöst, Blatt 62 zum großen Teil herausgerissen, stellenw. mit kleiner Wurmspur (minimaler Buchstabenverlust), fleckig, leicht gebräunt.