2309: KUNSTBILLET – WIENER BILLET

in der Art von Johann Joseph Endletsberger. Kolor. Federzeichnung auf Stoff mit goldgepr. Bordüre. Wohl Wien, um 1850. Ca. 7,5 x 5,8 cm. – Unter Glas gerahmt (nicht geöffnet). (119)
Schätzpreis: 300,- €


Zwei junge Damen, einander innig zugewandt, spazierend in einer Baumlandschaft. – Die Unterschrift, ein Segens – und Glückwunsch zum Namenstag, birgt wohl den Schlüssel zur Deutung der zweiten weiblichen Figur, gekennzeichnet durch ihr weites Gewand mit wehendem Umhang und einen Stirnreif, als Allegorie der Vorsicht. Am Ende heißt es nämlich: "Gesundheit, Freude auf allen Wegen, / Sey von der Vorsicht stets beschert." – Auf der Rückseite zeugt eine handschriftliche Zueignung mit Spruch von An(n)a Korona Hupfer, datiert 1858, wohl davon, daß solche Kärtchen noch lange nach ihrer Blütezeit im Biedermeier verschenkt wurden. – Besuchskärtchen, Glückwunschkarten und Billets erfreuten sich besonders in Wien zwischen 1810 und 1830 größter Beliebtheit. Aus einfachen, mit Holzschnitten dekorierten Karten, wie sie Ende des 18. Jahrhunderts hergestellt wurden, entwickelten sich bald ausgefeilte, mit kleinen technischen Tricks ausgestattete oder kunstvoll aus unterschiedlichen Materialien kombinierte Karten. Einen späten Höhepunkt fanden diese Billets in der Produktion von Johann Joseph Endletsberger (1779-1856), der die Verwendung von Stoff in Verbindung mit bedrucktem Papier und geprägten Bordüren, wie eine auf dem vorliegenden Billet zu sehen ist, entwickelt hatte. – Leicht gebräunt, Vergoldung etwas berieben.