219: VORAUS – TEILNACHLASS des Münchener Denkmalpflegers, Restaurators und Malers Karl Voraus (1883-1956).

Dat. ca. 1900 – um 1945. Mit ca. 45 Öl- und Temperagemälden (die meisten Porträts), 15 Aquarellen und 120 Zeichnungen, einigen persönlichen Dokumenten (Ausweise und Urkunden), gezeichnetem Familienstammbaum sowie zus. ca. 60 Briefen und Postkarten an Voraus von seinen Eltern, Künstler- und Restauratorenkollegen sowie Personen, mit denen Voraus in seiner Eigenschaft als Restaurator korrespondierte, darunter Pfarrer und diverse Amtspersonen. (101)
Schätzpreis: 2.000,- €


Der künstlerisch hochbegabte Karl Voraus wurde als Sohn eines Metzgers am 24. März 1883 in Dillingen geboren. Als Hauptkonservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München hat er mehrere Jahrzehnte bayerischer Denkmalpflege mitgeprägt. Voraus war nicht nur Konservator, sondern auch ausgebildeter Restaurator, von daher mit der Praxis des Berufes eng vertraut. Als Denkmalpfleger und Restaurator hat sich Voraus allseits hohe Anerkennung erworben, die teils bis heute nachwirkt. Weniger bekannt ist, daß Voraus ursprünglich Kunstmaler werden wollte und die entsprechende Ausbildung bis zum abgeschlossenen Akademiestudium durchlaufen hat. Mit dem Eintritt in die Restauratorenlaufbahn noch in der Zeit des Ersten Weltkriegs, zuerst bei den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, verlagerte Voraus seine künstlerische Tätigkeit ganz ins Private. Er hat weder Ausstellungen seiner Werke durchgeführt noch Arbeiten verkauft. Deshalb verblieb fast sein gesamtes Werk im Familienbesitz, aus dem wir es jetzt hier zum Verkauf anbieten können. Das Schaffen von Voraus ist von erstaunlich hoher künstlerischer Qualität. Er war ein Spätimpressionist bzw. Spätrealist der Münchener Schule, den bedeutenden Meistern der Generation vor ihm, wie etwa seinen Lehrern Becker-Gundahl und Angelo Jank, durchaus ebenbürtig. Als Voraus am 2. Juli 1956 in München verstarb, hinterließ er ein reiches künstlerisches Erbe, das bis heute nicht angemessen gewürdigt worden ist. In diesem Teilnachlaß finden sich Werke aus unterschiedlichen Zeiten und künstlerischen Gattungen mit Schwerpunkt auf dem Porträt, von der einfachen Skizze bis zum größeren Ölgemälde. Der realistische Stil von Voraus ist durch seine erstaunliche Beobachtungsgabe geprägt. In der Tradition des Münchner Realismus stehend, wählte er auch seine Bildgegenstände, die er in der einfachen bäuerlichen Kultur, der Landschaft und dem Stilleben fand. Ein besonderes Anliegen war ihm das Porträt respektive das Selbstbildnis, eine Gattung, in der er zeitlebens besonders ausdrucksstarke Werke geschaffen hat.

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler und anschließender Gesellentätigkeit (ca. 1896-1901) ist Voraus 1902 in die Kunstgewerbeschule München eingetreten. Als Dekorationsmaler erhielt er 1903 den "Gesellen-Preis" der Stadt München, 1908 wurde er in die Münchener Kunstakademie aufgenommen als Schüler von Jank. Wesentlich intensiver als Jank beeinflußte ihn jedoch der Mitbegründer der Münchener Sezession, Carl Johann Becker-Gundahl, dem er nicht nur stilistisch folgte, sondern auch bei der Wahl der Sujets. Nach dem Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg wurde Voraus 1916 Schüler im Restaurationsatelier der Alten Pinakothek in München, 1919 wechselte er als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter zum Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, bereits 1920 war er Konservator, wenig später Leiter des Referats der Regierungsbezirke Niederbayern und Oberpfalz, schließlich Oberbayern. Für seine Verdienste bekam er 1928 den Professorentitel verliehen.

Unter den persönlichen Dokumenten und Briefen finden sich neben zahlreichen Schreiben seiner Eltern auch elf eigenhändige Briefe seines Lehrers und väterlichem Freunds, Carl Johann Becker-Gundahl (1856-1925), aus der Zeit von 1907-21. Von besonderem Interesse für die bayerische Denkmalpflege sind die Schreiben im Zusammenhang mit Projekten der Denkmalpflege, die Voraus betreute und in denen nicht zuletzt das oft freundschaftliche Verhältnis zu seinen Klienten und Kontaktpersonen zum Ausdruck kommt. – Meist nur geringe bis leichte Gebrauchspuren.