2035: BAYERN – MÜNCHEN – NYMPHENBURG

"Prospect des vortrefflichen Baades genandt Baadenburg, in dem Churfürstlichen Lust-Garten zu Nimphenburg nechst München" – "Das schön und in allen Bildern gantz vergoldte grosse Bassin, mit dem hohen Wassersprung..." – "Die schöne und grosse Cascade samt dem Wasserfall ...". 3 Gesamtansichten von einem erhöhten Standpunkt aus über den Park. 3 Kupferstiche von J. Wangner (und J. Lochmann) nach J. C. Sarron, bei Jeremias Wolff Erben, um 1726. Je ca. 65,5 x 45,5 cm. Einheitlich unter Glas gerahmt (ungeöffnet; Rahmen mit stärkeren Altersspuren).
Schätzpreis: 1.200,- €
Ergebnis: 800,- €


Thieme/Becker XXIV, 470 (Sarron) und XXXV, 150 (Wangner). Nagler XXIII, 487. München und seine Bauten S. 38 und 39 (mit 2 Abb.). Slg. Proebst 715-718 (mit 2 Abb.). Maillinger I, 510. – Nicht bei Lentner und Pfister. – 3 von 4 Blättern der Folge; es fehlt das erste Blatt. – Die Ansichten zeichnete Sarron nach den Veduten-Gemälden, die der Hofmaler Franz Joachim Beich von 1718 bis 1722/23 im Auftrag von Kurfürst Max Emanuel für die Nördliche Galerie im Schloß Nymphenburg gemalt hatte. – Typisch ist die hochformatige Darstellung, die in der oberen Hälfte den atmosphärisch bewegten Himmel mit dramatischer Wolkenbildung zeigt; die Darstellung überhöht die Ansichten, hebt sie über das Alltägliche, Gewohnte hinaus und verleiht ihnen eine neue, größere Dimension, ganz im Sinne des Kurfürsten, der repräsentative Bilder seiner Schlösser und Parkanlagen wünschte. – Franz Joachim Beich (1665-1748) vertrat in der Malerei einen an niederländischen und italienischen Vorbildern geschulten Stil und traf damit genau den Geschmack von Kurfürst Max Emanuel. Neben Nymphenburg arbeitete er vor allem für Schloß Schleißheim. – Der Zeichner und Kupferstecher Jean Claude Sarron (gest. 1741 in Augsburg) war in München tätig, ab 1731 in Augsburg. Er zeichnete die Vorlagen für die Kupferstiche der Schloßbauten des Kurfürsten. – Füßli nennt die vier Prospekte von Schloß Nympenburg, auch Thieme/Becker weist ausdrücklich auf die Ansichten hin. – I. Papier links unten im weißen Rand ergänzt, drei Wurmlöcher in der Darstellung, Quetschfalte und geglättete Faltspuren. – II. Links unten im Außenrand geklebte Einrisse und Stauchspuren (bis in die Malerangabe), leichte Knickspuren. – III. Papier im unteren Rand unter der Verlagsangabe ergänzt, zwei geklebte Einrisse durch den Fußtitel bis knapp in die Einfassungslinie, etwas wellig. – Alle Blätter leicht fleckig und gebräunt. – Sehr selten.