20: FÜRSTENFELD – WALDSASSEN – "NARRATIO TRANSACTIONIS VIOLENTO-LIBERAE

circa Restitutionem Monasteriorum in Superiori Palatinatu ..." Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Fürstenfeld, dat. 3. 11. 1668 bis 19. 7. 1669, mit nachträglichen Marginalien bis 22. 11. 1669 (54 S.) sowie einem Nachtrag vom Anfang des 18. Jhdts. (9 Blätter). Fol. Zus. ca. 40 Bl. (davon einige weiß). Umschl. d. Zt. unter Verwendung eines spätmittelalterlichen Antiphonarblattes für den Rücken. (Altersspuren). (169)
Schätzpreis: 1.800,- €
Ergebnis: 1.700,- €


Detaillierter Bericht über Verhandlungen im Vorfeld der Restauration des Zisterzienserklosters Waldsassen in der Oberpfalz und die Übergabe an die Zisterzienser von Fürstenfeld bei München. – Der Text umfaßt 54 von alter Hand numerierte Seiten, jeweils mit zahlreichen zeitgenössischen, wohl vom Verfasser selbst eingetragenen Ergänzungen und Hinweisen am breiten Rand. Der erste Abschnitt gilt dem "Curfürstl(ichen) Citation Schreiben", das heißt der Einladung vom 3. 11. 1668 zu einer Zusammenkunft in München, bei der die finanziellen und rechtlichen Bedingungen der Wiederbegründung der oberpfälzischen Klöster geregelt werden sollten. Es folgt ein Protokoll der Verhandlungen, die sich vom 13. bis zum 22. November hinzogen. Der nächste Abschnitt ist überschrieben "Anfang der Restitution oder Widerstellung deß weitberüembten Closters Waldsaßen". Nach einem kurzen Exkurs zur Geschichte des Klosters seit seiner Gründung 1133 wird der Diskurs über die Wiederbegründung bis 1668 ausführlich referiert. Der nächste Abschnitt "Enndtliche Trosst ehister Execution lang versprochener Immission in die Pfalzische Clöster etc." enthält Aufzeichnungen zu den Verhandlungen vom 26. Juni bis 6. Juli 1669. Der letzte Abschnitt "Handlung zue Amberg" zur Übergabe der geforderten Zahlungen in Amberg in den Tagen vom 17. – 19. 7. 1669 endet mit der resignierten Bemerkung "Gott geb, daß es bey disen allein verbleibe." Dieser Schlußsatz und einzelne andere Bemerkungen verraten, daß das Manuskript in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Ereignissen niedergeschrieben wurde.

Der Verfasser war selbst an den Verhandlungen beteiligt. Möglicherweise handelt es sich um Pater Nivard Christoph, der nach der Übergabe als Superior in Waldsassen amtierte. Gelegentlich berichtet er in Ich-Form und gibt sich dabei als Vetter von Kaspar Schmid (1622-1693) zu erkennen, der zu dieser Zeit die Stelle des Vizekanzlers des Geheimen Rates der kurfürstlichen Regierung bekleidete. Am Rand (S. 25) bemerkt er etwa: "Zue mir hatt er privatim gesagt, die Herren Prälaten müessen woll bey gelt seyn". – Die Vorgänge um die Wiederbegründung des Klosters Waldsassen sind in mehreren Quellen überliefert (siehe dazu B. Klemenz, Das Zisterzienserkloster Fürstenfeld zur Zeit von Abt Martin Dallmayr 1640-1690, Weißenhorn 1997, S. 214-230 passim). So verwendete der letzte Fürstenfelder Abt Gerard Führer in seiner Chronik nach eigener Aussage einen Bericht des Fürstenfelder Paters Simon Nusser, der eine ähnliche Überschrift wie unser Manuskript trug.

Wohl am Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in dem Manuskript die Abschrift eines Vertrages aus dem Jahr 1684 zwischen Kurfürst Max Emanuel und Johann Christoph, Bischof zu Augsburg, eingetragen. – Die ersten Blätter vom Block gelöst, am Ende oben wasserrandig, etw. fleckig.

Detailed account of negotiations shortly before the restoration of the Cistercian monastery at Waldsassen in the Upper Palatinate and the transfer to the Cistercians of Fürstenfeld near Munich. – First leaves unstuck from block, at the end waterstained at top, a little soiled. – Contemporary wrappers by using a late medieval antiphonary sheet for the spine (signs of wear).