2: WIRT –

Beteuerung der Rechtgläubigkeit. Lateinische Urkunde auf Papier, dat. Stuttgart, 9. 10. 1506, in Abschrift. Deutschland, wohl um 1510, mit wohl zeitnaher notarieller Beglaubigung. Ca. 31,5 x 21,8 cm. Mit Initiale in Federzeichnung. Eine Seite. (113)
Schätzpreis: 500,- €
Ergebnis: 260,- €


Die Abschrift der Urkunde des Frankfurter Dominikaners Wigand Wirt (1460-1519) ist von einer anderen Hand als das Manuskript (Losnr. 1), aber wohl etwa zur gleichen Zeit in gleichmäßiger zierlicher Kurrentschrift mit schrägem Duktus geschrieben. Wirt, der sich in der Intitulatio als "divi ord(in)is predicatoru(m) et sacre theologie professor nunc prior Studgarden(sis)" vorstellt, beteuert seine Rechtgläubigkeit, speziell in Bezug auf die gegen seinen "Dialogus apologeticus" (siehe unsere Losnr. 130) von den Franziskanerobservanten und anderen deutschen Kirchenvertretern vorgetragenen Beschwerden. Unmittelbarer Anlaß dürfte die Verfügung des Erzbischofs von Mainz, Jakob von Liebenstein, vom 28. Juli 1506 gewesen sein, Wigands Traktat "Dialogus apologeticus" überall aufzusuchen und zu konfiszieren, bis man ihn überprüft habe. Der Text endet mit den folgender Unterwerfungsformel: "Hoc igitur veritatis (con)fidentia suffultus meipsum et om(n)ia mea scripta Romane eccl(es)ie et om(n)ibus divi(n)as litteras pio et no(n) depravato colentibus affectu subicio corrigendos in quor(um) fidem sigillum officii mei p(rese)ntib(us) duxi apponend(um)". Es folgt, in etwas flüchtigerer Kurrentschrift, ein notarieller Vermerk zur Beglaubigung der Abschrift.

Die Urkunde darf daher nicht mit den Retraktationen verwechselt werden, die Wigand Wirt ab 1512 in Rom und Heidelberg zu leisten gezwungen wurde. Der Text der Urkunde ist bislang in der Literatur nicht erwähnt, auch ist kein Druck desselben bekannt. – Mit Faltspuren, rückseitig mit späteren Vermerken "De Wesaliensi" und "T. t t."

Literatur zur Kontroverse um Wigand Wirt siehe unter Losnr. 1.

Für umfangreiche Vorarbeiten zu unserer Beschreibung, die wir teils wörtlich übernommen haben, sind wir Professor Dr. Thomas Prügl, Institut für Historische Theologie der Universität Wien, zu großem Dank verpflichtet.

Latin document on paper, dated Stuttgart, 9. 10. 1506, contemporary copy: Germany, probably 1510, with probably contemporary notarial certification. With initial in pen-and-ink drawing. One page. The copy of the document by the Frankfurt Dominican Wigand Wirt is written by a different hand than the manuscript (lot 1), but probably at about the same time, in a uniform, delicate Kurrent script with an oblique style. Wirt asserts his orthodoxy, especially with regard to the complaints made against his "Dialogus apologeticus" (see lot 130) by the Franciscan Observants and other German church representatives. At the bottom, in cursive handwriting, a notarial note certifying the copy.

The document should not be confused with the retreats that Wigand Wirt was forced to perform in Rome and Heidelberg from 1512 onwards. The text of the document has not yet been mentioned in the literature, and no print of it is known. – With creasemarks, verso with the later notes "De Wesaliensi" and "T. t t." – For literature concerning the controversy, please see lot no. 1.

We are indebted to Professor Dr. Thomas Prügl from the Institute for Historical Theology at the University of Vienna, for extensive preliminary work on our description, some of which we have adopted verbatim.