19: ARZNEIBUCH –

Deutsche Handschrift auf Papier. Schwarzwald, um 1760-91. 5 weiße Bl., 334 S., 21 Bl. (davon am Ende 9 weiße). Ldr. d. Zt. (Gelenk angebrochen, Rücken etw. brüchig, mit einzelnen Wurmspuren, leicht beschabt und etw. bestoßen). (4)
Schätzpreis: 800,- €
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Ergebnis: 480,- €


Der Band setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Am Beginn eingebunden ist ein Arzneibuch, wohl eines gebildeten Apothekers. Es enthält etwa 350 Rezepte, in zierlicher Kurrentschrift auf 334 paginierten und jeweils gerahmten Seiten geschrieben. Eingeleitet wird es durch eine Systematik der Wirkungen von Heilpflanzen in alphabetischer Ordnung von "Abluentia" bis "Sudorifera", jeweils mit einer kurzen Erklärung, gefolgt von einer Liste mit lateinischen Pflanzennamen. Der Rezeptteil läßt ebenfalls eine planvolle Ordnung erkennen, beginnend vom Kopf abwärts. Eine lange Liste von Zutaten erforderte etwa die Bereitung von Pestessig und ausführlich wird eine "Cur ad morbum galicum" beschrieben.

Der zweite Teil, von etwas gröberer Hand auf anderem Papier geschrieben, enthält ebenfalls Heilmittelrezepte, teils ebenfalls mit lateinischen Zutatenlisten, daneben aber auch Heilmittel, die auf magische Wirkung vertrauen, wie ein dreimal über Wunden zu sprechender lateinischer Satz. Dazwischen finden sich persönliche Notizen des Schreibers, der auch seinen Namen Engelhard Keller nennt. – Ein Eintrag zur Hebung eines Grenzsteins "zwischen St. Blasien und Stühling" unter Beteiligung des Schreibers ("und ich von Riedern") läßt auf die Entstehung zumindest dieses zweiten Teiles der Handschrift in Riedern (heute ein Ortsteil von Ühlingen-Birkendorf im Landkreis Waldshut) schließen. Erwähnt wird an anderer Stelle etwa, daß am 1. Oktober 1765 ein Kind "zu den Klosterfrauen in die Capellen gelegt" wurde. Mehrfach trägt der Schreiber Geburten eigener Kinder oder von Neffen und Nichten ein, nie ohne das Sternzeichen anzugeben. Der letzte Eintrag betrifft eine Zeit der Teuerung von 1788 bis 1791. – Leicht fleckig.