164: KAROLINE VON BADEN – KÜNSTLERISCHER TEILNACHLASS der Karoline von Baden, Königin von Bayern (1776-1841).

Album mit 25 Zeichnungen in verschied. Techniken und Formaten. Dat. Karlsruhe (u. a.), 1787-1818. Gr.-Fol. Lose in Hldr.-Mappe d. Zt. mit Deckelschild "Caroline" (beschabt und bestoßen). (99)
Schätzpreis: 2.000,- €
Ergebnis: 3.200,- €


Karoline, Prinzessin von Baden, war seit 1797 mit Herzog Maximilian Joseph von Pfalz-Zweibrücken verheiratet, dem späteren Kurfürsten, der 1806 zum König von Bayern erhoben worden ist. Sie war die erste Protestantin im bayerischen Herrscherhaus. Das Album stammt mit wenigen Ausnahmen aus ihrer Jugendzeit in Karlsruhe, wo sie auch eine gründliche künstlerische Ausbildung erhalten hat. Der Hof in Karlsruhe war den Künsten sehr zugeneigt, man denke insbesondere an die kunstsinnige Markgräfin von Baden, Karoline Luise von Hessen-Darmstadt (1723-1783), ihre Großmutter. Als die ersten der vorliegenden Blätter entstanden, war Karoline gerade einmal elf bis zwölf Jahre alt. Diese frühen Arbeiten zeigen Frauenköpfe in bestimmten theatralischen Affekten auf einem für das jugendliche Alter erstaunlichen Niveau. Weitere Zeichnungen folgten bis 1799, als das Paar nach München zog, um die Regierung anzutreten. Danach sind nur noch sehr wenige Arbeiten entstanden. Die früheren Blätter dürften im Rahmen des Zeichenunterrichts entstanden sein, den sie als Prinzessin in Karlsruhe erhalten hat, die späteren resultieren sicherlich aus eigenen künstlerischen Ambitionen. Immerhin bedeuteten Karoline diese Zeichnungen so viel, daß sie sie in ihrem Besitz bewahrte und nach München mitbrachte. Selbst die Mappe dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit die ursprüngliche sein, überliefert im Familienerbe.

Die größte Gruppe der Zeichnungen machen Porträts aus, darunter wohl mehrere Selbstbildnisse und auch Darstellungen ihrer Zwillingsschwester Amalie Christiane von Baden (1776-1823). Eine betitelte Rötelzeichnung von 1787 zeigt die Schwester im Profil. Herausragend ist eine Gruppe von Frauenporträts, wohl alle in den späten achtziger und den neunziger Jahren entstandene Selbstbildnisse, die sich offensichtlich an die Art der Angelika Kauffmann anlehnen. Besonders deutlich wird dies bei einem großen Aquarell im Hochformat, einer 1791 datierten Rötelzeichnung im Rund, hier die Dame mit sentimental-verträumtem Blick und auf einen Anker gestützt, sowie einer lavierten Tuschezeichnung aus dem Jahr 1790, die sie bei der Handarbeit vor dem Haus zeigt. Ein kleiner Teil der Arbeiten sind Studien nach alten Meistern und antiken Skulpturen, darunter eine in lavierter Tusche ausgeführte Maria mit Jesus und dem Johannesknaben, wohl nach Raffael. Besonders interessant ist eine weder bezeichnete noch datierte Bleistiftzeichnung, die den Nymphenburger Schloßpark zeigt. Sie wurde vom Südtrakt des Schlosses aus gezeichnet, also von dem Ort, an dem Karoline ihr Schlaf- und ihr Audienzzimmer hatte. Die Darstellung muß demnach bald nach der Umgestaltung des Schloßparks, die ihr Gatte veranlaßt hatte, erfolgt sein. Eine weitere unbezeichnete Bleistiftzeichnung zeigt den Merkurtempel im Schwetzinger Schloßpark, eine künstliche Ruine. Bemerkenswert auch eine am 17. März 1818 entstandene Porträtzeichnung eines bärtigen Klerikers. – Stellenw. leicht fleckig und gebräunt, geringe Gebrauchsspuren.

Artistic partial estate of Karoline von Baden, queen of Bavaria (1776-1841). Album with 25 drawings in various techniques and formats. Dated Karlsruhe (a. o.), 1787-1818. Large folio. Loose in contemporary half calf portfolio with cover label "Caroline" (scratched and scuffed). – Karoline, princess of Baden, was married to duke Maximilian Joseph of Pfalz-Zweibrücken since 1797, the later prince-elector, who was crowned king of Bavaria in 1806. She was the first Protestant in the Bavarian dynasty. The album, with a few exceptions, originates from her adolescence at Karlsruhe, where she had received a thorough artistic education. The court at Karlsruhe was very interested in arts, simply think of the art-minded margravine of Baden, Karoline Luise von Hessen-Darmstadt (1723-1783), her grandmother. When the first drawings here available were made, Karoline was just eleven or twelve years old. These early works show female heads in certain theatrical emotions on a niveau quite amazing for the young age. Further drawings followed till 1799 when the couple moved to Munich to take up government. Only very few works were then created. The earlier leaves were probably made in the course of the drawing lessons which she received as a princess at Karlsruhe, the later ones result very probably from own artistic ambitions. Karoline was very attached to these drawings, as she kept them in her possession and brought them to Munich. Even the portfolio is probably the original one, passed on in the family heritage. – Here and there slightly soiled and browned, minor signs of wear.