158: PHILIPPSON, M.,

Historiker (1846-1916). 3 Briefe (davon 2 eigenhändig, einer hektographiert mit e. Zusätzen), jeweils mit e. U. Dat. jeweils Berlin, 18. 6. 1903, 28. 10. 1906 und 19. 7. 1907. Zus. 3 1/2 S. (127)
Schätzpreis: 300,- €
Nachverkaufspreis: 150,- €


Martin Philippson hatte 1890 sein Amt als Rektor der Freien Universität Brüssel auf Grund von Problemen mit der Studentenschaft aufgegeben. Fortan war er in Berlin als freier wissenschaftlicher Schriftsteller tätig. – Unsere Briefe, jeweils mit gedrucktem Briefkopf der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums", die 1902 von Philippson mitbegründet worden war, wohl alle an den jüdischen Gelehrten Wilhelm Bacher (1850-1913), zeugen von den Schwierigkeiten der Herausgabe des geplanten "Grundrisses zur Wissenschaft des Judenthums". Am 18. 6. 1903 richtet Philippson an Bacher die Einladung, in diesem Werk "Die Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft" zu übernehmen. Am 28. 10. 1906 erwidert Philippson zweifellos auf Bachers Absage hin: "Ihr Schreiben hat mich wahrhaft in Bestürzung versetzt und mich – ich gestehe es offen – einigermaßen in Zorn. Von allen Seiten erhalte ich für den ‘Grundriß’ Vertröstung auf die Zukunft … Die anderen Autoren können sich wenigstens mit der Schwierigkeit der Vorarbeiten entschuldigen, die sie zum größten Teile selber erst zu machen haben. Sie aber, sehr geehrter Herr Professor, haben die Materie schon gründlich behandelt, und doch schreiben Sie aus Gründen, die sie selber nicht angeben können oder wollen, einfach ab." – Mit der "gründlichen Behandlung" spielt Philippson auf den umfangreichen Abschnitt über die hebräische Sprachwissenschaft vom 10. bis 16. Jahrhundert an, den Bacher für den zweiten Band der "Jüdischen Litteratur seit Abschluß des Kanons" übernommen hatte (Trier 1894, S. [133]-235). – Mäßige Altersspuren. – Beiliegt ein hektographiertes Rundschreiben mit einer Liste "der in Aussicht zu nehmenden Mitarbeiter an dem ‘Grundrisse’", gezeichnet von Philippson, datiert Berlin, 4. 6. 1903.