1540: SÜDOSTEUROPA – (VAKANOVIC, A.),

Sollen wir Magyaren werden? Fünf Briefe geschrieben aus Pesth an einen Freund an der Theis, von D. H. Karlstadt, Prettner, 1833. VIII, 92 S. Brosch. d. Zt. (etw. fleckig). (5)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 150,- €


Erste Ausgabe. – Holzmann/Bohatta I, 7934 (versteckt, weil verstümmelt: unter dem Zusatz zum Sachtitel ohne Nennung des Hauptsachtitels; Verfasser: Hoitsy), IV, 2926 (Verfasser: Horv tovich), und VII, 9496 (Verfasser: Vakanovic). Petrik II, 174 (Verfasser: Horvatovich; Erscheinungsjahr irrig 1844). Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas II, 174-175 (Verfasser: Hojc): "Die Schrift war in deutscher Sprache eine der ersten Publikationen gegen die vormärzlichen Magyarisierungsbestrebungen, die sich aber den außenpolitischen Plänen der Magyaren nicht entgegenstellte." – Wichtige Quelle zur kroatisch-ungarischen Nationalfrage, eine Quelle, zu deren Verfasserschaft der kroatische Politiker und Publizist Imbro Ignatijevic Tkalac (1824-1912) in seinen "Jugenderinnerungen aus Kroatien" (Leipzig 1894) schreibt: "Man erschöpfte sich in Muthmaassungen, wer der Verfasser des Buches sein könnte, aber niemand errieth ihn und noch heute ist das Geheimnis nicht enthüllt. Später hiess es, es könnte möglicherweise ein in Ungarn lebender Kroat, Ivan Caplovic sein, der schon früher in deutscher Sprache ein Buch über Slavonien geschrieben hatte. Ich bin nicht im Stande die Räthselfrage zu beantworten; wenn ich mir aber auch meinerseits eine Vermuthung aufzustellen erlauben dürfte, möchte ich als Verfasser den damaligen Pastor der slovakischen lutherischen Gemeinde in Pest, Jan Koll r, nennen …" (S. 243-244). Und auf Seite XIII der Jugenderinnerungen von Tkalac heißt es in der Nachschrift: "Als die letzten Bogen dieses Buches schon gedruckt waren, starb in Agram 86jährig mein Vetter Anton von Vakanovic, gewesener Ban-Stellvertreter, und bei seinem Tode wurde ein durch 62 Jahre unverbrüchlich bewahrtes litterarisches Geheimniss aufgedeckt. Nicht Koll r, wie ich vermuthet hatte, sondern Vakanovic war der Verfasser der … erwähnten epochemachenden Brochure ‘Sollen wir Magyaren werden?’"

Dies ist der Schlüsseltext für die Deutung des zunächst verwirrenden Befundes zur Verfasserschaft: Nach dem Zeugnis eines Familienangehörigen, dem wohl aus dem Nachlaß des Autors, so muß man annehmen, ein Dokument mit Quellenrang vorlag, nach einem Zeugnis aus erster Hand also, ist der kroatische Politiker Antun Vakanovic (1808-1894) der Verfasser der Briefe mit dem als Scheinfrage zu verstehenden Titel "Sollen wir Magyaren werden?" Die Vorrede des Herausgebers hat "Domoljúb Horv tovich" unterzeichnet, ‘der Patriot’ Horv tovich, und der ist zweifellos identisch mit dem als Verfasser unter den Initialen "D. H." auf dem Titel Genannten – eine Herausgeberfiktion oder die Selbstbezeichnung als Übersetzer oder Bearbeiter zur Verschleierung der Urheberschaft sind nichts Ungewöhnliches bei religiös oder politisch brisanten Texten. Damit entfallen als Autoren Ivan Caplovic, Samuel Hojc (= ungarisch S muel Hoitsy) und J n Koll r; übrig bleibt Domoljúb Horv tovic (Horv tovich), hinter welchem Pseudonym sich Vakanovic versteckt hat. – In Bibliothekskatalogen findet sich gelegentlich Hojc (in verschiedenen Formen) als Verfasser angegeben, meist jedoch Horv tovic (in verschiedenen Schreibweisen und ohne Hinweis auf dessen wirklichen Namen). – Eine erweiterte Fassung mit sechs Briefen erschien noch im Jahr der hier vorliegenden Erstausgabe, ein Druck des Jahres 1844 läßt sich nicht nachweisen. – Titelseite mit Besitzvermerk, leicht gebräunt, etw. fleckig.