15: ZÜRICH – CHRONIK –

Deutsche Sammelhandschrift auf Papier. Regensberg (Bezirk Dielsdorf) und wohl Zürich, Ende 17. Jhdt. 4º. 32, 126 S., 16 weiße Bl. Pp. d. 18. Jhdts. (Bezug am Rücken tls. abgerissen, beschabt, bestoßen und etw. fleckig). (4)
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Das Manuskript setzt sich aus vier Teilen mit geschichtlichen und chronikalischen Aufzeichnungen zur Stadt und zur Landschaft Zürich zusammen. Der Besitzvermerk auf dem Spiegel "J. Henrici Wyßii, V(erbi) D(ivini) M(inister) 1793" erlaubt den Schluß, daß die Zusammenstellung des Bandes einschließlich der Bindung auf Johann Heinrich Wyß (1754-1829) zurückgeht, der seit 1793 die Pfarrstelle in dem nahe Regensberg gelegenen Ort Dielsdorf bekleidete (vgl. Goed. XII, 48). Vermutlich stammen einzelne Marginalien von seiner Hand, etwa Jahreszahlen, insbesondere aber der Vermerk oben auf der ersten Seite des zweiten Teils ("in memorab. mit O. betzeichnet,") sowie die Kreuzchen am Rand, mit denen er einzelne Textstellen markierte. Ebenso geht auf ihn wohl die fortlaufende Paginierung der Teile II-IV zurück.

Die drei ersten Teile stammen wahrscheinlich alle von einer Hand. Aus dem Inhalt geht hervor, daß es sich dabei um den Landschreiber der Züricher Landvogtei Regensberg handelt. Das einheitliche Schriftbild läßt vermuten, daß die Aufzeichnungen nicht unmittelbar aus der Zeit der erwähnten Ereignisse stammen, die zwischen 1680 und 1689 liegen. Vielmehr handelt es sich wohl um wenig spätere Reinschriften.

Als Landschreiber amtierte in Regensberg von 1633-1695 ein Hans Kaspar Engelfried (vgl. Ferdinand Elsener, Notare und Stadtschreiber, Wiesbaden 1962, S. 46). Demnach ist die Handschrift – entgegen dem modernen Bleistifteintrag auf dem fliegenden Vorsatz "Tagebuchaufzeichnungen von H. Caspar Schmutz (?)" – nicht mit Hans Kaspar Schmutz (1624-1686) in Verbindung zu bringen, dem Pfarrer von Regensberg, der sich auch als Mathematiker, Optiker und insbesondere als Konstrukteur von Fernrohren einen Namen machte.

Enthalten in der Reihenfolge der Bindung: I. Aufzeichnungen zu den Jahren 1680 bis 1683 (S. 1-32). Marginalien am breiten Rand, teils angeschnitten, vermerken jeweils Stichpunkte zum Inhalt. Der Text setzt mit einer Beobachtung des Kometen ein, der am 20. November 1680 über Regensberg "ob dem Legerberge" zu sehen war. Die Einträge betreffen meist Rechtsangelegenheiten, die Kirchen – oder Stadtverwaltung, ferner eine Gesandtschaft an den französischen König oder verschiedene besondere Vorfälle, wie etwa "Die alte Churfürstin von Heidelberg ist auß Heßen widerumb angelanget" (S. 2) oder "Zu Wellenberg soll ein Schwein ein 2 jehriges Kind gefräßen hab(en)" (S. 9). Ebenso erfährt man etwa, daß die Feiern zum neuen Jahr 1681 wegen der "ellenden traurigen Zeiten" abgesagt (S. 1), in den beiden folgenden Jahren aber "auff allen Zünfften gehalten" wurden, wobei sich nur 1682 der Zusatz findet "den Spillleuthen ließ man auch den Zugang" (S. 16 und 28). Der letzte Eintrag (nach dem 5. November 1683) bricht auf Seite 32 unten unvermittelt ab.

II. Der zweite Teil umfaßt zwei Lagen (S. 1-32). Auf den Seiten 1-30 (Mitte) ist der Text der vorgebundenen Lage wortgleich wiederholt. Er wurde in der gleichen zierlichen Kurrentschrift zweifellos von derselben Hand abgeschrieben, wenn auch ein wenig enger und ohne die zusammenfassenden Marginalien am breiten Rand. Die Fortsetzung des Textes, ebenfalls in derselben Handschrift, endet mit den Summen, die von der Stadt und der Landschaft Zürich 1683 für die "Verfolgten in Frankreich", also die französischen Protestanten (Hugenotten), gesteuert wurden.

III. Der dritte Teil (S. 33-104) ist durchgehend in deutlich dunklerer Tinte geschrieben, doch wohl auch von derselben Hand wie die beiden ersten Teile. Mit den Worten "Frankreich ist 18 mahl größer, dan(n) die 7 Provintzen", beginnt eine Abhandlung zur Geschichte und Verteidigung des Protestantismus insbesondere in der Schweiz und besonders im Raum Zürich. Enthalten sind aber auch mit Tagesdaten versehene Einträge zur Stadtgeschichte, jedoch nicht in chronologischer Folge; die spätesten betreffen das Jahr 1689.

IV. Bei dem vierten Teil handelt es sich um ein Fragment mit Aufzeichnungen eines wohl Züricher Schreibers vom Februar bis Mai 1681. Die Kurrentschrift ist durch einen deutlich linksgeneigten Duktus charakterisiert. Ursprünglich von 53 bis 63 foliiert, erhielten die Blätter in unserer Sammelhandschrift die Seitenzahlen 105-126. – Vermerkt sind etwa die Steuersummen, die das Großmünster, das Frauenmünster, St. Peter, die Predigerkirche und St. Jakob am 31. März aufbrachten. Der erste Eintrag gilt einem "16jährigen evangelischen Knab auß der Gmeind Frauenfeld", und zuletzt ist zum 10. Mai der Unfalltod eines Mädchens verzeichnet. – Vorderes Innengelenk angebrochen, gering fleckig.