14: ARZNEIBUCH –

Deutsche Handschrift auf Papier. Wohl Franken oder Oberpfalz, ca. 1680-1780. Ca. 18 x 11 cm. Mit kalligraphierten Überschriften (darunter wenige farbig). 7 Bl., 409 S. (einige Bl. zwischengebunden), 36 Bl. Beschäd. Ldr.-Umschl. unter Verwendung eines Einbandes des 16. Jhdts. (6)
Schätzpreis: 600,- €
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Sehr umfangreiches, in ordentlicher Kurrentschrift dicht beschriebenes Arzneibuch, wohl etwa hundert Jahre benutzt und fortlaufend ergänzt, teils auf nachträglich eingebundenen Blättern. – Auf dem vorderen Spiegel ist eine Bitte um Segen eingetragen, unterzeichnet "Alter Leonhard Christoph Fischer", auf der ersten Seite ein Vorspruch über das Verhalten eines guten Arztes, unterzeichnet von "Georg Fiercher Junnior". Sprachliche Eigenheiten lassen eine Entstehung im fränkischen Sprachraum oder in der Oberpfalz vermuten. Dazu kommt ein Hinweis auf einem der nicht paginierten Blätter am Ende: "N[ota] B[ene]: Bey Cristoph Zigels seel. Wittib in Nürnberg unter der Besten ist zu haben …"

Enthalten sind zahlreiche Rezepte für Salben, Pillen, Pflaster, Laxantien, Tränke und Tropfen gegen Leiden wie Hühneraugen, Würmer, Fieber, Lungensucht oder Magenkrankheiten, aber auch "Herzenß Angst oder auch Melancholy" (S. 104) sowie ein Rezept, daß der Mensch "lebet 70 biß 80 ab(er) [gemeint wohl: oder) 100 Jahr" (S. 49). Dazwischen finden sich öfter magische "Arcana", etwa gegen die "Botagra" (Podagra, die Gicht am Fuß): "NIX + NAX + NUX auf ein Le(b)zeltlein aber [gemeint wohl: oder] Rinden Brod geschrieben und Esse Er es" (S. 14).

Mitten unter den Rezepten gibt es eine Erklärung zu den "4 Complexionen der Menschen" (S. 110), also zu der auf die antike Medizin zurückgehenden Säftelehre. Am Ende sind ein alphabetisch geordnetes Register (24 Bl.) angefügt sowie eine Erklärung der Apothekerzeichen (4 Bl.) und weitere Rezepte, unter anderem laut der Quellenangabe aus dem "Chirurgischen Handbüchlein" von Christoph Heinrich Keil in der Ausgabe bei Lotter in Augsburg 1756.

Wenige Blätter lose, stellenw. am Rand braunfleckig und berieben, anfangs mit kleinen Wurmspuren (geringer Buchstabenverlust), die Schrift oft durchschlagend und vereinzelt mit Tintenfraß, jedoch durchweg gut lesbar. – Beeindruckendes Zeugnis der Arzneikunst und magisch-sympathetischen Volksmedizin der Barockzeit in einem zeitgenössischen Umschlag, gefertigt aus einem blindgeprägten Schweinsledereinband.