1302: HEINRICH – SAMMELALBUM mit acht Handschriften und sieben Drucken

sowie Stahlstich-Portr. des Wiener Komponisten Albin Heinrich. Wien, um 1845/50. 4º. Blindgepr. Lwd. d. Zt. (berieben und bestoßen). (3)
Schätzpreis: 300,- €
Ergebnis: 150,- €


Ein vergessener Wiener Romantiker, Zeitgenosse Schumanns, dessen Wiederentdeckung noch ansteht und dessen wichtigste frühe Werke in diesem Album versammelt sein dürften. Enthalten sind als Manuskripte eine "Romance" Es-Dur, gewidmet der Comtesse Julie de Bellegarde, in zwei Varianten, ein "Salon-Walzer" E-Dur, eine "Fantaisie sur le tombeau" in d-Moll/F-Dur, gewidmet Emil Ritter von Coeckelberghe, ein "Impromptu" in Fis-Dur, gewidmet der Baronin Charlotte de Corbey, sowie die "Tonbilder" Nachtgedanken in f-Moll und Seiner Schwester Adele Gebet in Es-Dur. Ein "Wiener National Garde Marsch" in Es-Dur ist unveröffentlicht geblieben und daher nur in vorliegender Abschrift erhalten.

Bei den gedruckten Werken, erschienen meist bei Haslinger, handelt es sich um eine "Ballade (h-Moll) pour le piano … op. 4", bei Mollo und Witzendorf in Wien, ein "Poëme d’amour. Impromptu pour le piano" in Fis-Dur bei Haslinger in Wien, "Mes rêves à la patrie. Fantaisie pour le piano" in As-Dur (ebenda), eine "Caprice" in a-Moll/C-Dur (ebenda), die "Caprice caracteristique" Le Fou (Nr. 46 aus der fünften Abteilung der "Neuigkeiten für das Pianoforte im eleganten Stil"), erschienen bei Haslinger in Wien, ein "Trauer-Lied", den Gräfinnen Julie und Paula von Bellegarde gewidmet, erschienen bei Artaria in Wien, sowie eine "Élégie pour le piano", der Comtesse Christalnigg gewidmet, ebenfalls bei Artaria gedruckt, diese mit farblithographiertem Titel.

Von Albin Heinrich ist heute nur noch sehr wenig bekannt, die hier vorhandenen Werke, auch die gedruckten, sind durchgehend Raritäten. Fest steht, daß er nicht mit dem namensgleichen österreichischen Geologen und Historiker identisch ist, wahrscheinlich nicht einmal verwandt. Heinrich dürfte um 1820 geboren worden sein, trat als Komponist und Pianist erstmals 1843 öffentlich in Erscheinung und publizierte in der Folgezeit, wohl bis allenfalls 1860, eine Reihe von Klavierwerken, die sich in der Charakteristik der Tonsprache wie auch der gewählten Genres offensichtlich eng an Schubert, Schumann und Chopin anlehnen. Die Qualität seiner Werke kommt zwar diesen Vorbildern nicht gleich, doch wäre es ungerecht, Heinrich als beliebigen Salonkomponisten abzustempeln. Eine Wiederentdeckung seines schmalen Werkes würde sich sicherlich sehr lohnen. Die Widmungsträger seiner Werke, die wohl auch Förderer und Kenner seines Schaffens waren, gehörten offenbar zu einem kleinen Kreis des Wiener Hochadels. Das vorliegende Album dürfte von einem dieser Bewunderer stammen. Auch wenn es sich bei den Manuskripten um Abschriften nach Drucken handelt, sind alle diese Werke von großer Seltenheit; über den KVK ist von den Drucken meist nur ein Exemplar in der Österreichischen Nationalbibliothek nachweisbar. Zur Vita des Komponisten, der vermutlich recht früh verstorben ist, sind nur wenige gedruckte Quellen überliefert. Das Wiener Salonblatt "Der Wanderer" berichtet in seiner Ausgabe vom 31. Juli 1843 (zweiter Band, Seite 718) über Albins Debüt, sowohl als Komponist wie auch als Pianist: "Bei dem k. k. Hofmusikalienhändler Haslinger sind zwei neue Compositionen erschienen, mit welchen Hr. Albin Heinrich zum erstenmale als Compositeur vor das Publicum tritt, und welche wir unseren schönen Leserinnen gerne anempfehlen …" Herr Heinrich sei "einer der vorzüglichsten Dilettanten und ausgezeichnetsten Claviermeister der Residenz"; am 3. August werde er erstmals öffentlich als "Concertspieler" auftreten. Eine Rezension in der Wiener allgemeinen Musikzeitung des Jahres 1845 bescheinigte Heinrich zwar "poetische Gabe der Erfindung", doch wurde die "zu große Ängstlichkeit" des besprochenen Klavierwerks kritisiert. Die Tonsprache war dem Rezensenten wohl zu sensibel, aber eben dies zeichnet Albin Heinrichs Schaffen als Vertreter der poetischen Romantik der Schumann-Richtung ja besonders aus. – Leicht gebräunt und fleckig, geringe Gebrauchsspuren.