1094: KULENKAMP, G. C.,

Die Jagd, ein humoristisches Tongemälde für das Piano-Forte zu 4 Händen. Op. 49. Braunschweig, Meyer, und London, Ewer, o. J. (Plattennr. 279, 1836). Qu.-Fol. Mit lithogr. Titel (in der Paginierung) mit drei großen figürlichen Vign. 29 S. gestoch. Notentext. Hlwd. um 1900 (etw. berieben und bestoßen). (47)
Schätzpreis: 600,- €


Von Schumann vernichtet, dann verschollen: Eines der wenigen, sämtlich seltenen Werke des Pianisten und Komponisten Georg Karl Kulenkamp (1799-1850), eines Schülers von Johann August Günther Heinroth und Leiters des Cäcilien-Vereins in Göttingen. Das mit aufwendiger Titelillustration produzierte Klavierwerk, das Kulenkamp wohl einige Zeit und Mühe gekostet hatte, ist heute nur noch durch einen berühmten Verriß bekannt. Kein Geringerer als Robert Schumann hat sich das Stück vorgenommen: "Ueber die vierhändige ‘Jagd’ des Hrn. Kulenkamp kann man keine sehr saubern Gedanken aufbringen, da der Inhalt ausführlich zu sehen und zu lesen ist … Was soll ich es verschweigen, die Jagd hat mich total verstimmt. Wenn ein Componist Jahre lang mühsam arbeitet, vierzig Stücke schreibt mit lobenswerthem Eifer und endlich auf ein Thema fällt, das schon gar keine poetische Regung aufkommen lassen kann, und wenn er es noch dazu so trocken und witzlos wie möglich behandelt, so kann das einen theilnehmenden Beschauer nur traurig machen. Das ist kein Ton aus freier Brust: so klingt kein Jagdhorn; kurz die Musik lebt nicht. ‘Sage mir, wo du wohnst, so will ich dir sagen, wie du componirst’ meinte Florestan bei einer frühern Composition von Hrn. Kulenkamp. Florestan hat Recht, und Rellstab auch, wenn er sinnbildlich genug einmal ausrief: ‘einen Hasen können sie todtschießen, unsere Componisten – aber einen Löwen erwürgen, nicht.’" (Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, Bd. II, 1854, S. 70-71). Diesen Text hatte Schumann bereits im Oktober 1836, also bald nach Erscheinen des Werks, im fünften Band der Zeitschrift für Musik mit kleinen Abweichungen publiziert. – Interessant ist, daß ihm damals vom Rezensenten der Allgemeinen musikalischen Zeitung, die den "musikalischen Scherz" im selben Jahr 1836 ausführlich würdigte, widersprochen worden ist. Diesem hatte das Stück zwar auch nicht gefallen, doch berichtet er von positiver Aufnahme in diversen "musikalisch gut gebildeten Gesellschaften", die mit dem Stück einiges Vergnügen gehabt hätten. Jedem sei das gegönnt. "In solchen Dingen sind rechtlicher Weise Niemandem Vorwürfe zu machen. Nur begreifen wir nicht, wie man sich durch einen Scherz, der nichts Unsittliches hat, verstimmen lassen kann … dafür ist es ein Scherz u. macht auf nichts weiter Anspruch" (Bd. 38, November 1836, Sp. 773-774).

Schumanns Verstimmung war aber wohl anderer, explizit musikalischer Art, da es dem Werk seiner Meinung nach gravierend an Substanz mangelte. Nun war das Werk bei Abfassung seiner Gesammelten Schriften (1852/53) schon über anderthalb Jahrzehnte alt, und es mangelte um die Mitte des Jahrhunderts gewiß nicht an belangloser Salonmusik. Der Grund von Schumanns Wiederaufnahme der alten Besprechung wird wohl ein anderer gewesen sein. Offensichtlich hatte das Werk in einigen auch musikalisch gebildeteren Kreisen Liebhaber und Eingang in das Repertoire gefunden, und Schumann trat diesen mit der erneuten Veröffentlichung seines harschen Verdikts entgegen. Das zeitigte offensichtlich seine Wirkung. Danach hört und liest man nichts mehr von diesem hausmusikalischen Tongemälde, und auch die sicherlich schon damals raren Exemplare der einzigen Ausgabe gingen nach und nach verloren. Wir freuen uns daher, dieses Werk wieder in einem Druck aufgefunden zu haben und es nun erneut dem musikkritischen Urteil zur Diskussion stellen zu können. Nicht zuletzt ist dies auch im Hinblick auf Schumanns Musikästhetik von nicht unwesentlicher Bedeutung. – Titel mit Randstreifen im Bug und Nummernetikett; leicht, Titel etw. stärker gebräunt und fleckig.

NACHGEB.: BERGER, L., Sonate à quatre mains pour le piano-forte … dédiée à son ami Bernhard Klein. Oeuvre 15. Berlin, Laue, o. J. (Plattennr. 2; 1826). 25 S. (Titel [in der Paginierung] und Notentext, alles gestochen). – Erste Ausgabe. – MGG I, 1692. Eitner I, 460. Allgemeine musikalische Zeitung, August 1826, Nr. 31, S. 510.

KAHLERT, A., Vier deutsche Lieder für eine Mezzo-Sopran oder Baritonstimme mit Begleitung des Pianoforte. Breslau, Weinhold, o. J. und Plattennummer (1832). – Von größter Seltenheit, nur ein Exemplar über den KVK nachweisbar. – Impressum überklebt mit Etikett von Dunst in Bonn.

Ferner zwischen – und nachgebunden Arrangements für Klavier zu vier Händen nach Opern von Boieldieu, Donizetti und Halevy, eine "Scène dramatique" Le fou von Kalkbrenner, die "Quadrille gothique" von Musard sowie eine Nummer aus Mozarts Bearbeitung des "Messias" von Händel.