1079: HAYDN, J.,

Sei Minuetti ... ridotti per cembalo solo. Dresden und Leipzig, Breitkopf, 1787. Fol. 13 S. (typographisch). Späterer Heftstreifen. (132)
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Verschollener Breitkopf-Druck, Hoboken unbekannt – erster allein Haydn gewidmeter Druck des Verlegers: Legendärer Druck, von dessen Publikation man zwar wußte, der bislang aber als verschollen galt. Anthony van Hoboken, der ihn unter IX:9a anführt, schrieb dazu: "’Sei minuetti ridotti per cembalo solo’, erschienen Aug. 1787 bei Breitkopf in einer Auflage von 500 Ex. (vgl. v. Hase S. 2). Diese Ausgabe kenne ich nicht." Er berief sich dabei auf die wenigen Angaben zu diesem Druck, die er dem grundlegenden Werk von Hermann von Hase, Joseph Haydn und Breitkopf & Härtel (Leipzig 1909, S. 2) entnommen hatte. Hase beschreibt dort den Druck als das erste Verlagswerk von Breitkopf, das ausschließlich Haydn gewidmet war. Zuvor waren bei Breitkopf nur einzelne Veröffentlichungen mit Werken von Haydn oder Arrangements seiner Werke im Rahmen von Sammelausgaben herausgekommen. Hase hat sich bei seinen Angaben offenbar auf eine zeitgenössische Rezension des Drucks bezogen, selbst hatte er ihn aber nicht in die Hand bekommen, seine Angabe "quer Folio" ist nämlich falsch. Richtig ist dagegen die Zahl der Bogen benannt, 3 1/2, wie in der Rezension angegeben (siehe unten).

Was bis heute völlig unbekannt war, ist der konkrete Inhalt dieses Drucks, also um welche Menuette es sich handelt, die hier in einer Cembalofassung publiziert worden sind. Dies ist auch der genannten Rezension, die unmittelbar auf die Publikation folgte, nicht zu entnehmen. Sie erschien in den Neuen Leipziger gelehrten Zeitungen auf das Jahr 1787, viertes Quartal, CXVIII. Stück, vom 6. Oktober 1787, Seite 1873/1874. Dort wird die Erfindungskraft, die in diesen "Kleinigkeiten" stecke, überschwenglich gelobt, "denn in jedem erblickt man den schöpferischen Geist und das unerschöpfliche Genie eines Haydn". Hoboken glaubte wohl, dieser Druck enthalte lediglich ein Arrangement der sechs deutschen Tänze, die er als Gruppe IX, Nr. 9 verzeichnete. Im Haydn-Lexikon steht zu diesem Werk der lapidare Hinweis: "kein Klavierauszug erhalten", was sich auf den verschollen geglaubten Druck beziehen dürfte (A. Raab, Ch. Siegert und W. Steinbeck, Das Haydn-Lexikon, Laaber 2010, S. 868). Tatsächlich handelt es sich bei den hier enthaltenen Menuetten weder um untergeschobene Werke noch um eigenständige Menuette Haydns in größerer Besetzung, sondern um sechs Menuett-Sätze aus seinen Streichquartetten Opus 17 und Opus 20 ("Sonnenquartette"), und zwar: Nr. 1 C-Dur nach Opus 20, Nr. 2 – Nr. 2 Es-Dur nach Op. 20, Nr. 1 – Nr. 3 C-Dur nach Opus 17, Nr. 4 – Nr. 4 g-Moll nach Opus 20, Nr. 3 – Nr. 5 f-Moll nach Op. 20, Nr. 5 – Nr. 6 G-Dur nach Opus 17, Nr. 5 (für die schnelle und unproblematische Identifikation sei den Organisatoren des RISM für die Noten-Incipit-Suche im RISM-Online-Katalog unsere Anerkennung und unser Dank ausgesprochen). Diese Quartette sind in den Jahren 1771 und 1772 entstanden, also bereits lange vor unserem Druck. Interessant ist auch, wie die Quartette in den Cembalo-Satz übertragen worden sind, nämlich in den Begleitstimmen durchaus erheblich verändert, in der Regel vereinfacht. Ob das Arrangement von Haydn selbst stammt, möge indessen die Forschung ermitteln. Allerdings haben sich Haydn und Breitkopf in ebendiesem Jahr erstmals persönlich kennengelernt, und es wäre denkbar, daß Haydn für Breitkopf daraufhin diese Bearbeitungen geschrieben hat. Damit ist der Verleger Gottlieb Immanuel Breitkopf erstmals in die Lage gekommen, einen Druck ausschließlich Joseph Haydn zu widmen, der sich in seiner frühen bis mittleren Schaffensperiode weitgehend Artaria in Wien verschrieben hatte. Mit unserem Druck begannen nun, verhältnismäßig spät, Ausgaben von Haydns Werken bei Breitkopf. In der Verlagsgeschichte von Artaria ist dies so dargestellt: "Auch war Haydn nun der berühmteste und von den Verlegern gesuchteste Komponist geworden. Alle Welt wollte Haydnsche Kompositionen haben. Die Verbindung mit den Londoner Verlegern war durch Haydns einundeinhalbjährigen Aufenthalt eine innigere geworden und gewann durch die zweite Reise nur noch an Festigkeit. Breitkopf, die alte und berühmte Leipziger Firma, deren Inhaber er im Jahre 1787 persönlich kennen gelernt hatte, bemühte sich – lange Zeit allerdings fast erfolglos – um Haydnsche Werke und auch die andern Wiener Firmen suchten Haydnsche Kompositionen irgend woher zu erwerben" (F. Artaria und H. Botstiber, Joseph Haydn und das Verlagshaus Artaria, Wien 1909, S. 67).

Titel mit alter Numerierung (eventuell Verlagsarchiv), kleine Randläsuren, leicht fleckig, etw. gebräunt.

Fabulous printing the publication of which was known, but up to now was presumed lost. Even Hoboken never saw a copy of it. – What was also completely unknown so far is the precise content of this printing, i. e. which minuets are mentioned here that have been published in a harpsicord version. – The minuets in this case are neither assumed works nor independent minuets by Haydn with larger instrumentation, but six minuet movements from his string quartets Opus 17 and Opus 20. – These quartets were produced in the years 1771 and 1772, that means a long time before our printing. It is also interesting how the quartets have been transferred into the cembalo movement, that is to say quite modified in the accompanying voices, generally simplified. It is up to the research to determine whether the arrangement comes from Haydn himself. Haydn and Breitkopf had met for the first time in this year, and it is possible that Haydn has written these adaptations for Breitkopf. That enabled the publisher Gottlieb Immanuel Breitkopf to dedicate a printing exclusively to Joseph Haydn who in his early and middle period had mostly devoted himself to Artaria in Vienna. – Title with old numbering (possibly publisher’s archive), small tears in margin, slightly soiled, a little browned. – Later back strip.