1000: (NÄGELI, H. G.),

Friedensreigen. Gegenstück zur Marseiller Hymne. Zürich, Selbstvlg., o. J. (wohl 1796 oder etw. später). 29,7 x 21,7 cm. 3 S. (Text und Noten typographisch). Loses Doppelbl., ohne Einband. (35)
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Sehr seltener Druck des Schweizer Musikpädagogen, Verlegers und Komponisten Hans Georg Nägeli (1773-1836), der ihn im eigenen, seit 1794 bestehenden Verlagshaus publiziert hat. Für seine Version des Gedichts "Friedensreigen", das Johann Heinrich Voß 1795 verfaßt hat, lehnte sich Nägeli offensichtlich an die Vertonung von Carl Friedrich Zelter (1758-1832) an, die Zelter bei Carl August Nicolai in Berlin in einer Sammlung von zwölf Liedern 1796 veröffentlicht hatte. Voß thematisiert hier die Rückkehr eines siegreichen Heeres und die Erwartung der Friedenszeit in einer Dithyrambe, die einen "trunken taumelnden Stil" hat, "aber dabei leicht verständlich ist" (Julius Wiegand im Artikel ‘Hymne’ im Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, 2. Aufl., Bd. I, Berlin 1958, S. 741). Der Zusatz "Gegenstück zur Marseiller Hymne" dürfte von Nägeli stammen, wohl, um dem Stück die Bedeutung einer die europäischen Staaten einenden, antifranzösischen Hymne zu verleihen. Diese hohe Erwartung konnte das eher gefällige Stück natürlich nicht ansatzweise erfüllen, zumal die Komposition – hier notiert im Klaviersatz mit unterlegtem Text – zwar eingängig ist, aber dem mitreißenden, kraftvoll-kämpferischen Ton der Marseillaise kaum gewachsen war. Dies gelang erst Joseph Haydn wenig später, im Jahr 1797, mit der österreichischen Kaiserhymne. Statt, wie Zelter und Nägeli, den marschartigen Tonfall der Marseillaise nachzuahmen, setzte Haydn ihr einen mehr gesanglichen Hymnus entgegen, der darin dem englischen "God save the King" näher steht. – Über den weltweiten Katalog nur wenige Exemplare nachweisbar. – Druck auf kräftigem Velin (es gibt auch Abzüge auf Bütten, wie das Exemplar in unserer Auktion 68, das Velin kann als "besseres Papier" verstanden werden, also eine "Vorzugsausgabe"). – Der kleine, alte Vermerk auf der Titelseite rechts unten, "Auct. 836", bezieht sich auf die große Musikalien-Auktion von Breitkopf und Härtel in Leipzig im Juni 1836. – Ränder leicht fleckig und gebräunt.